Schon jetzt ist der Kitabesuch in den letzten drei Jahren vor Schulbeginn gebührenfrei. Nun sollen schrittweise die Elternbeiträge für alle Kitakinder entfallen. Das klingt traumhaft familienfreundlich! Ist es aber auch sinnvoll? Ist es das, was Berliner Eltern wünschen und erwarten? Der Berliner Beirat für Familienfragen sagt: Nein!

Koalition setzt mit Gebührenbefreiung in der Kita aufs falsche Pferd: Eltern wünschen sich mehr Plätze und Qualität

Unverständnis ernten beim Berliner Beirat für Familienfragen die Pläne der Koalition, Kita-Betreuung zukünftig gebührenfrei anzubieten. Aus familienpolitischer Sicht sei das die falsche Entscheidung, sind sich die Beiratsmitglieder einig. Denn Familien wünschen sich für die Betreuung ihrer Kinder eine gute pädagogische Qualität, aus-reichend Fachkräfte und passende Öffnungszeiten, das wissen die Mitglieder des Fa-milienbeirats aus zahlreichen Gesprächsrunden mit Familien aus erster Hand.

„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt setzt die Koalition damit eine falsche Weichenstellung“, sagt Thomas Härtel, Vorsitzender des Berliner Beirats für Familienfragen deutlich. Ausgerechnet jetzt, wo angesichts der vielen neu ankommenden Kindern noch deutlich mehr Kita-Plätze und Personal benötigt werden, rücken langfristig wirkende Qualitätsverbesserungen in weite Ferne. Dabei fehlen schon heute Fachkräfte, um den wachsenden Bedarf an Kindertagesbe-treuung decken zu können. Ein wichtiger Grund dafür ist das besonders geringe Gehalt, das Erzieherinnen und Erziehern in Berlin gezahlt wird. Zu wenig Gesprächsbereitschaft zwischen den Tarifpartnern und nur geringe Anstrengungen des Senats, den Beruf attraktiv zu gestalten, konstatiert der Berliner Beirat für Familienfragen.

Kleinere Gruppen, in denen eine individuelle Förderung möglich ist, fordert der Beirat im ak-tuellen Familienbericht. Gezielte Sprachförderung, die Integration der geflüchteten Kinder und ihrer Familien sowie die konsequente Arbeit mit dem Bildungsprogramm – hier gibt es noch genug offene Baustellen, die zunächst bearbeitet werden müssen, so die Beiratsmitglieder.

Gegen den Sachverstand aller fachkundigen Akteure und gegen die explizite Empfehlung des Familienbeirats hat der Senat jetzt ad hoc entschieden, Geld in Gebührenfreiheit statt in mehr Qualität, Fachkräftesicherung und den Ausbau zu stecken, so einhellig das Votum der Mitglieder des Familienbeirats: In den zahlreichen Familienforen, die der Beirat als Grundla-ge für seinen Familienbericht durchgeführt haben, standen die Suche nach dem Kitaplatz und genügend Personal für die Förderung der Kleinsten immer ganz oben auf der Agenda.

Wenn der Senat jetzt versuchen will, zwei Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen, in dem er Gebührenfreiheit und Platzausbau zugleich ermöglichen will, müsse er deutlich mehr Geld in die Hand nehmen, so die Beiratsmitglieder. Ansonsten stehe zu befürchten, dass es zwar zukünftig gebührenfreie Plätze gebe, deren Qualität aber so schlecht sei, dass Familien, die es sich leisten könnten, lieber auf andere Betreuungsformen zurückgriffen.

Quelle: Pressemeldung Berliner Beirat für Familienfragen vom 26.11.2015