Anlässlich des anhaltenden Kitaplatz-Mangels organisiert die Elterninitiative Kitakrise Berlin am 10. November eine kostenfreie Beratungsveranstaltung für betroffene Eltern. Von 10 bis 11:30 Uhr informieren Eltern gemeinsam mit einer Rechtsanwältin Familien ohne Kitaplatz über ihre Rechte und Optionen – bis hin zur Klage. Bei Bedarf mit Übersetzung ins Englische, Türkische oder Arabische.

Kitakrise DemoKitakrise Demo im Mai 2018 | Foto: Daniela von TreuenfelsNoch immer fehlen in Berlin mindestens 3.000 Kitaplätze. Tausende von Eltern leiden unter der Kitakrise: Sie mussten ihre Elternzeit unbezahlt verlängern, Arbeitszeiten reduzieren oder die Großeltern als Betreuungspersonen einspannen. Manche verloren gar ihren Job, weil sie keine Betreuung für ihr Kinder fanden – trotz Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, so die Erfahrungen der Initiatoren.

Dutzende verzweifelte Eltern, so die Engagierten, haben daher um Hilfe gebeten. "Als letzte Lösung wollen viele von ihnen einen Kitaplatz bzw. den Verdienstausfall einklagen, wissen jedoch häufig nicht, wie sie vorgehen sollen", sagt Katharina Mahrt, Sprecherin und Mitinitiatorin von Kitakrise Berlin. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie schwierig der Schritt zur Klage sein kann: “Nach erfolgloser Kitaplatzsuche habe ich ohne Anwältin erfolgreich einen Kitaplatz eingeklagt. Ich habe mich dabei komplett allein gelassen gefühlt, trotz Rechtsanspruch.”

Damit es für Eltern in Zukunft einfacher wird, will die Initiative mit ihrer Veranstaltung “Kitaplatzklage – Eltern helfen Eltern” Mütter und Väter ohne Kitaplatz informieren, wie sie vor dem Verwaltungsgericht Berlin eine Klage einreichen können. Dazu wird die Rechtsanwältin Anna Gilsbach kompakt alle rechtlichen Schritte erläutern und Fragen klären. Laut der Expertin für Sozial- und Verwaltungsrecht muss der Staat allen Menschen gleichberechtigt Zugang zu frühkindlicher Bildung gewähren. Wenn er dieser Pflicht nicht nachkommt, “ist der Gerichtsweg eine effektive Möglichkeit ihn an seine Pflicht zu erinnern. Je mehr betroffene Eltern die Ansprüche ihrer Kinder gerichtlich durchsetzen, desto eher wird sich etwas ändern”, so die Anwältin.

Neben Musterbriefen für die Kitaplatzklage will „Kitakrise Berlin“ Eltern Informationen mit an die Hand geben, wie sie zum Beispiel die Erstattung für eine privat organisierte Betreuung ihrer Kinder beim Jugendamt geltend machen können.

Besonders Familien mit Flucht- oder Migrationserfahrung sind nach Ansicht der Elterninitiative durch das intransparente und zeitaufwendige Kitaplatz-Vergabe-System benachteiligt, da kurzgefasste, mehrsprachige Informationsangebote zur Kitaplatzsuche und dem Rechtsanspruch fehlen. Somit gestalten sich eine Klage oder die Übernahme der Kosten eines privat organisierten Babysitters für sie nicht selten deutlich schwieriger. Deshalb wird es während der Veranstaltung auch Übersetzungen ins Englische, Türkische und Arabische geben. Alle relevanten Informationen werden nach der Veranstaltung in mehreren Sprachen auf www.kitakriseberlin.org veröffentlicht.

Die Mütter und Väter von „Kitakrise Berlin“ wollen so erreichen, dass alle Eltern gleichberechtigt Zugang zu Informationen über den Rechtsanspruch und entsprechende Beratungsangebote haben. Die Initiative macht jedoch deutlich, dass die politische Antwort auf Klagen nicht die Anhebung des Betreuungsschlüssels sein darf. Elise Hanrahan, Initiatorin von Kitakrise Berlin, meint: “Weder Kinder noch Eltern oder pädagogische Fachkräfte sollen die Kitakrise ausbaden müssen! Für mehr Kitaplätze brauchen wir sofort bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen für Erzieher*innen und Tageseltern; die vergütete Ausbildung muss umgehend eingeführt werden und wir brauchen unbürokratische Soforthilfen für Eltern, die in der Kitakrise stecken.”

Kitaplatzklage-Beratung

Samstag, 10. November 2018
Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis (FiPP e.V.)
Sonnenallee 223a in Berlin-Neukölln
Kinder können mitgebracht werden

Alle Infos:  kitakriseberlin.org

 

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit (Karl Valentin)

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