Hortbetreuung für die Kinder der 5. und 6. Grundschulklassen: Endlich wird die
von Eltern lange erhobene Forderung Realität. Der Haken: In den Ferien sollen die Kinder nicht am Ferienprogramm der Schule teilnehmen dürfen. Elternvertreter Holger Feist hat dazu einen Brief an Senatorin Sandra Scheeres geschrieben. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut.

Sehr geehrte Frau Scheeres, sehr geehrte Frau Grosser,

Frau Hintze hat mich als Mitglied der Initiative Stiftung Bildung gebeten, auf die Mail von Frau Grosser vom 16. März einzugehen. In dieser Mail haben Sie die Gründe dafür dargelegt, warum in Zukunft die Hort-Ferienbetreuung für die 5. und 6.-Klässler nicht mehr angeboten werden soll. Sie wollen eine große Summe in den Haushalt einstellen, damit weitaus mehr Kinder der Klassen 5 und 6 als jetzt eine Hortbetreuung erhalten können (und entgegen anderslautender Gerüchte zum Glück auch bis 18 Uhr, was für viele Familien sehr wichtig ist). Das ist ein Riesenfortschritt. Dieser Schritt wurde von allen Beteiligten deutlich begrüßt. Vielen Dank hierfür.

Den Wegfall der Möglichkeit der Ferienbetreuung begründen Sie mit zu hohen Kosten und der Möglichkeit, in den Ferien ausreichend vorhandene andere Angebote nutzen zu können.
Eine kurze Umfrage, wer solche Möglichkeiten kennt, welche Zeiten damit abgedeckt werden können, und was sie kosten, war sehr ernüchternd. Es handelt sich um 14 Wochen Ferien, die überbrückt werden müssen, davon können vielleicht 5 Wochen von den Eltern abgedeckt werden. In den Sommerferien werden Reisen angeboten zum Preis von mehr als 100 Euro pro Woche. Andere Angebote finden nur nachmittags statt. Eine verlässliche Betreuung von 9 bis 17 Uhr gibt es so gut wie nicht.

Die Sache ist – wie meistens – hübsch komplex.

- Aus Sicht der Eltern, die bisher schon eine Hortbetreuung der oberen Klassen wahrgenommen haben: Für sie (bzw. zukünftige Eltern in dieser Situation) fällt die Ferienbetreuung weg und sie kriegen ein Problem. Ist es wirklich möglich und (pädagogisch) sinnvoll, für alle Ferien (Nach 5 Wochen Urlaub bleiben immer noch 9 Wochen zu überbrücken) ein externes Angebot zu organisieren? Was machen die Eltern, die mit der ganzen Organisation überfordert sind? Ist nicht gerade bei diesen Familien der Hort eine stabile Stütze, die für die Entwicklung des Kindes sehr wichtig ist? Das sind alles Familien, bei denen sowohl der Hort als auch die Schule ein kleines Gutachten erstellen mussten mit dem Inhalt „das Kind sollte noch nicht regelmäßig längere Zeit alleine zu Hause sein“. Sicher, den wenigsten Kindern droht ohne Hortbetreuung der Absturz in Drogen und Alkohol und kaum eines brennt aus Versehen das Elternhaus ab. Aber die Eltern, die ihrem Kind bescheinigen lassen, es sei NICHT fähig, alleine zu Hause zu bleiben, werden dafür gute Gründe haben. Und wenn es „nur“ die Angst ist, es könnte evtl. doch so etwas passieren. Man kann wohl davon ausgehen, dass unter den Eltern, die bisher die Betreuung nutzen, viele sind, die es wirklich brauchen. Und diese brauchen dann natürlich auch die Ferienbetreuung.
- Aus Sicht der Eltern, die das Angebot neu nutzen werden, weil es jetzt leichter ist: Für diese Eltern gibt es nur Verbesserungen.
- Aus Sicht des Senats: Die Gefahr besteht, dass die neu hinzugewonnenen Eltern auch das Ferienmodul buchen, obwohl sie die Ferienbetreuung bisher nicht brauchten. Allerdings ist die erhöhte Nachfrage nach der Nachmittagsbetreuung nach der Schule gerade der Sinn des neuen Gesetzes. Ist das konsequent?

Natürlich ist es wünschenswert, dass mehr Kindern der oberen Klassen die Hortbetreuung ermöglicht wird. Es darf aber nicht sein, dass dafür die Situation für die Kinder schlechter wird, die es wirklich nötig haben.

Nur wenige werden sagen, dann lasst besser alles beim Alten, denn die Öffnung der Betreuung für alle Kinder von Berufstätigen ist ja ein lange erbetener, wichtiger Schritt.
Aber die vom neuen Gesetz vorgesehen Regelung hinterlässt kein gutes Gefühl, sicher auch bei Ihnen nicht. Da werden jährlich mehrere Millionen zusätzlich ausgegeben, doch richtig zufrieden kann man mit dem Ergebnis nicht sein. Weil viele Familien unter der neuen – in der Summe besseren – Regelung leiden werden. Und zwar genau die Familien, denen dies aus guten Gründen bisher schon zustand. Eben genau die Familien, die eine Betreuung (nachmittags und in den Ferien) am nötigsten haben.

Ich würde gerne verstehen, was finanziell den Unterschied ausmacht zwischen Ferienangeboten externer Träger und der Ferienbetreuung durch den Hort. Beim Hort ist die Grundfinanzierung (Gebäude, Reinigung, etc.) durch die Ferienbetreuung der jüngeren Kinder gedeckt, es geht nur um die Personalkosten für die zusätzlichen Kinder. Die Kosten können also nicht höher sein als bei anderen Ferienangeboten. Wenn man die anderen Ferienangebote bezahlen kann, sollte das auch für die vertrautere, familiärere Hortbetreuung gelten.
Zumindest ein zu externen Trägern konkurrenzfähiges und damit bezahlbares Angebot muss es geben!

Ich habe kurz abgeschätzt, was meiner Meinung nach eine Ferienbetreuung kosten sollte, wenn von den 14 Ferienwochen 5 Wochen von den Eltern abgedeckt würden (siehe Anhang). Ich komme auf 26,25 Euro pro Monat. Das ist ein Betrag, den die meisten Eltern stemmen könnten. Es geht schließlich auch um eine sehr große Erleichterung. Für die Familien, die Lehrmittelzuschuss erhalten, müsste die Betreuung umsonst sein (so sie überhaupt einen Anspruch haben). Gibt es evtl. eine Möglichkeit, die Hortbetreuung in den Ferien als Ferienaktivität zu definieren, so dass die nachweislich bedürftigen Eltern dafür den Super-Ferien-Pass nutzen können? Das Geld hierfür würde dann weder den Geldbeutel der Eltern noch den Berliner Haushalt belasten.

Ich stoße immer häufiger auf schulische Themen, bei denen auch das Angebot von Geld nicht weiterhilft, wie z.B. die fehlende Sekretärin, die aus Datenschutzgründen nicht durch eine vom Förderverein eingestellte Kraft ersetzt werden darf. Seltsam, denn Datenschutz muss von jeder privaten Firma auch garantiert werden. Oder die bei unserer Schule benötigte Hausmeisterwohnung: Die Kosten für den Umbau würden sich über die Miete bezahlen. Man könnte durch einen Kredit die Belastung für den Haushalt von Mitte auf Null reduzieren. Aber man bräuchte dafür Garantien: Was passiert, wenn der Bezirk entscheidet, den Hausmeister zu versetzen, etc. So etwas ist nicht vorgesehen und deshalb so gut wie nicht umzusetzen.

Auch im Fall der Ferienbetreuung befürchte ich, wenn das Gesetz erst mal durch ist, können auch die zahlungswilligen Eltern die Ferienbetreuung nicht mehr „buchen“.
Wer bezahlt die externen Angebote? Können die Anbieter bei nachgewiesener Auslastung entsprechende Zuschüsse vom Land Berlin erhalten? Dann wäre für den Berliner Haushalt nichts gewonnen. Müssen die Eltern die Kosten voll tragen? Dann ist eine selbst bezahlte Hortbetreuung (bei einem guten Hort !!!) meist die pädagogisch bessere Alternative.

Ich danke Ihnen für die Zeit, die sie sich für meine Fragen und Anregungen nehmen.

Mit freundlichen Grüßen,
Holger Feist

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die Rechnung:

3.000,00 € Arbeitgeber-Brutto bei 2.500,- Euro Erziehergehalt
14    Wochen Ferien
5    Wochen Urlaub der Eltern --> eigene Betreuung gewährleistet
9    Wochen Ferienbetreuung nötig
2,1    entspricht x Monaten Ferienbetreuung
20    Betreuungsschlüssel: x Kinder pro Erzieher
150,00 €     pro Ferienmonat pro Kind
315,00 €     pro Jahr pro Kind
26,25 €     pro Monat pro Kind

Anmerkung:

Holger Feist ist Elternvertreter an einer Grundschule in Mitte, er ist Vater von vier Kindern. Den Brief hat er in Beantwortung eines Schreibens der persönlichen Referentin der Senatorin an Katja Hintze geschieben. Katja Hintze ist Vorsitzende des Landesverbandes schulischer Fördervereine und Teil der Initiative zur Gründung der Stiftung Bildung. Holger Feist gehört der Initiativgruppe ebenfalls an.

Diskussion:

Die Elternausschüsse in Mitte und Steglitz-Zehlendorf haben sich bereits für eine Ferienbetreuung für alle Grundschulkinder ausgesprochen. Dem Landeselternausschuss liegt für seine nächste Sitzung ein entsprechender Antrag vor.

Debatte zur Schulpolitik

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