Wie lange Flüchtlingskinder in einer Berliner Willkommensklasse unterrichtet werden, ist abhängig davon, in welchem Bezirk sie zur Schule gehen. Die Verweildauer ist regional sehr unterschiedlich.

Das ergab die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Abgeordneten Maja Lasic (SPD), Regina Kittler (Linke) und Stefanie Remlinger (Grüne). Während in Reinickendorf nur 21 Prozent der Kinder 9 Monate oder länger in einer Willkommensklasse bleiben, sind es in Friedrichshain-Kreuzberg, Steglitz-Zehlendorf, Neukölln und Lichtenberg rund die Hälfte. In den anderen Bezirken schwankt die Zahl der „Langverweiler“ zwischen 28 und 42 Prozent.

Die drei Abgeordneten fragen zwar nach den Ursachen der bezirklichen Unterschiede, eine Antwort erhalten sie jedoch nicht. „Die Entscheidung über die Verweildauer von Schülerinnen und Schülern in Wilkommensklassen liegt im Ermessen der regionalen Schulaufsichten und erfolgt in pädagogisch begründeten Einzelfallentscheidungen.“, erklärt Staatssekretär Mark Rackles.

Durchschnittlich bleiben rund ein Drittel der Willkommensschüler länger als 9 Monate in diesen Klassen. An den Berufsschulen sind es 24, an den Grundschulen 34 und an den Oberschulen 44 Prozent. Ein zweites Schuljahr muss von der Schulaufsicht genehmigt werden, Zahlen darüber gibt es nicht. Nach Angaben des Senats gibt es keine Kinder, die ein drittes Jahr in einer Willkommensklasse lernen.

Zu Schuljahresbeginn gab es an den Grundschulen 321 Klassen mit 3.410 Kindern ohne Deutschkenntnisse. An den Integrierten Sekundarschulen (ISS) inklusive Gemeinschaftsschulen besuchten 1.840 Schülerinnen und Schüler die 149 Willkommensklassen. An den Gymnasien gab es 91 Willkommensklassen mit 1.002 Schülerinnen und Schülern. An sonderpädagogischen Förderzentren gab es 12 Willkommensklassen mit 261 Schülerinnen und Schülern. Die 147
Willkommensklassen an zentral verwalteten und beruflichen Schulen besuchten zu Schuljahresbeginn 1.901 Schülerinnen und Schüler.

Auch hier zeigt der Bezirksvergleich Erstaunliches: Steglitz-Zehlendorf hatte mit 22 die wenigsten Willkommensklassen an den Grundschulen, Lichtenberg mit 55 die meisten. Im Südwesten lernen zwei Drittel der Oberschüler ohne Deutschkenntnisse an Gymnasien (19 von 29 Klassen), in Friedrichshain-Kreuzberg gibt es nur 2 von 23 Klassen an Gymnasien, also nicht einmal 10 Prozent.

Die komplette Beatwortung der parlamentarischen Anfrage gibt es hier: parlament-berlin.de