Berlin erhält aus dem „Digitalpakt“ des Bundes 257 Mio. Euro. Die Bildungsverwaltung hat jetzt bekanntgegeben, wie die Mittel verteilt werden sollen:

Alle Schulen bekommen einen leistungsstarken Server, strukturierte LAN-Verkabelung und WLAN im Schulgebäude. Außerdem können sie ihre technische IT-Ausstattung verbessern. Dafür stehen in 2020 rund 82 Millionen Euro und in 2021 87,7 Millionen Euro zur Verfügung. Zunächst soll jede berufliche sowie zentral verwaltete Schule einen leistungsstarken Breitbandkabelanschluss erhalten. Die allgemein bildenden Schulen sollen zentral gesteuert folgen.

PK 30 7 19 aPressekonferenz. V.l.n.r.: Anja Tempelhoff, Ulrike Kaufmann, Sandra Scheeres | Bild: Daniela von Treuenfels

Eine Förderrichtlinie des Landes, die für den Abruf der Bundesmittel Voraussetzung ist, werde derzeit von der Finanzverwaltung geprüft, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Ab September könnten die ersten Anträge gestellt werden für:

•    leistungsfähige Serverlösungen für den Unterricht
•    Aufbau oder Verbesserung der digitalen Vernetzung in Schulgebäuden und auf Schulgeländen
•    schulisches WLAN
•    Anzeige- und Interaktionsgeräte (zum Beispiel interaktive Tafeln
•    digitale Arbeitsgeräte, insbesondere für die technisch-naturwissenschaftliche Bildung oder die berufsbezogene Ausbildung
•    schulgebundene mobile Endgeräte wie Notebooks und Tablets (keine Smartphones)

Dafür steht jeder Schule ein Sockelbetrag von 100.000 Euro zu, zudem gibt es für jeden Schüler 330 Euro. Für Endgeräte gibt es maximal 25.000 Euro.

Hilfestellung für Medienkonzept

Für die Beantragung der Mittel müssen Schulen ein Medienkonzept einreichen. Dazu finden sie im „Lernraum Berlin“, einer Moodle-Plattform zur Lehrerfortbildung, einen Kurs zur Erstellung eines solchen Medienentwicklungsplans. 200 Schulen haben sich laut Bildungsverwaltung bisher für diesen Kurs angemeldet. Das Prozedere ist öffentlich nicht einsehbar, aber Anja Tempelhoff, in der Senatsverwaltung zuständig für digital gestützte Bildung, macht deutlich, dass das Verfahren alles andere als schwierig ist: Man habe Beispiele hochgeladen, „so dass jeder sieht, wie so etwas aussehen kann“. In einer Online-Maske können die Schulen dann ihre Textbausteine einfügen. Das Konzept ist dann sowohl für die regionalen Schulaufsichten als auch für die Senatsverwaltung einsehbar.

Das Lily-Braun-Gymnasium beispielsweise gehört zu den wenigen Schulen, die bereits ein Medienkonzept im „Lernraum“ hochgeladen haben. Schulleiterin Ulrike Kaufmann wünscht sich beispielsweise mehr interaktive Whiteboards, eine „verlässliche Infrastruktur“ und mehr Laptops.
Eine verbindliche Beteiligung von Eltern und Schülern bei der Erstellung eines Medienkonzeptes ist nicht vorgesehen, lediglich eine Beschlussfassung in der Schulkonferenz ist vorgeschrieben. Auch im Spandauer Gymnasium von Ulrike Kaufmann ging das Medienkonzept durch die Gremien. Inklusive eines Verbotes der „privaten Nutzung“ von Schüler-Smartphones: Handys sind auf dem Schulhof untersagt.

IT-Support: ein Techniker für vier Schulen

Für die pädagogische Weiterentwicklung setzt die Bildungsverwaltung zum einen weiterhin auf Freistellung von Lehrern. Das Modell wird kritisiert, weil hier meist Lehrer aus den Mangelfächern Mathematik und Naturwissenschaften für 2 Stunden von ihrem Fachunterricht befreit werden, um sich um die IT und Beratung von Kollegen zu kümmern. Zusätzlich finanziert die Verwaltung seit 2016 Techniker, 2019 sind es insgesamt 139 Experten für 521 Schulen. Auf einen Techniker kommen also knapp vier Schulen. Ziel ist, bis 2020 allen Schulen eine professionelle IT-Betreuung an die Seite zu stellen.

Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses, ist verhalten optimistisch. Viele Dinge seien unklar: Es gebe keine Abgabefrist für die Medienkonzepte, auch sei unklar, wer diese prüfe. Heise fehlt ein Fortbildungskonzept und eine Antwort auf die alles entscheidende Frage: Was ist eigentlich guter Unterricht mit digitalen Medien?

 

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit (Karl Valentin)

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