Schüler bestimmter Klassenstufen können freiwillig an staatlichen Lernangeboten in den Ferien teilnehmen. Voraussetzung sind pandemiebedingte Lernrückstände und finanzielle Armut. Die Auswahl der Kinder übernehmen die Klassenleitungen. Nachtrag zum Konzept: Eltern sollten ein Angebot nicht ablehnen.

Die Sommerschule 2020 richtet sich vor allem an Kinder, die von der Zahlung des Eigenanteils bei Lernmitteln befreit sowie Anspruchsberechtigte nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz sind, teilt die Bildungsverwaltung mit. „Es können auch Schülerinnen und Schüler ausgewählt werden, die aufgrund der Corona-Pandemie in eine Problemlage geraten sind, die zur Verursachung eines Lernrückstandes beigetragen hat“, heißt es etwas schwammig in der Erklärung. Die Schülerinnen und Schüler würden „insbesondere von den Klassenleiterinnen und Klassenleitern“ für die Teilnahme an diesem Programm vorgeschlagen.

Die Teilnahme am Sommerschulen-Programm ist freiwillig und soll in den Sommer- und Herbstferien für die Jugendlichen der Jahrgangsstufen 7, 8 und 9 sowie für Kinder der Jahrgangsstufen 1 und 2 angeboten werden. Die Senatsbildungsverwaltung rechnet mit bis zu 12.800 Teilnehmern.

Die Sommerschule für Jugendliche bietet vor allem Unterricht in den MSA-Prüfungsfächern Deutsch, Mathematik und Englisch an. Für die Kinder der 1. und 2. Klasse geht es vor allem um die Alphabetisierung, die Lese- und Schreibförderung sowie um den Erwerb mathematischer Grundkompetenzen.

Die Lerngruppen bestehen jeweils aus maximal acht Personen, wöchentlich soll es 15 Stunden Unterricht geben. Für Jugendliche soll es ein Angebot von mindestens zwei Wochen in den Sommerferien und von ein oder zwei Wochen in den Herbstferien geben. Die Kurse für Kinder der Eingangsstufe finden in den Stammgrundschulen oder in einer Nachbarschule statt.

Als Förderkräfte werden pensionierte Lehrkräfte, Lehramtsstudierende, Willkommensklassenlehrkräfte oder Honorarkräfte über einen freien Träger beschäftigt. Im Vorfeld der Sommerschulen sind Gespräche zwischen Lehrkraft, Eltern sowie den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern vorgesehen.

Hinzu kommen die beruflichen Schulen und Oberstufenzentren, die ebenfalls Sommerschulen anbieten werden. Das Angebot steht ebenso weiteren Schülergruppen offen, die pandemiebedingt Unterrichtsstoff nachholen möchten oder sonstigen Unterstützungsbedarf haben.

Interessierte Schüler bzw. ihre Eltern wenden sich an die Klassen- oder Schulleitungen.

Nachtrag: Mittlerweile liegt für die Sommerschule ein Konzept der Verwaltung vor. Nach dieser Skizze wird das Programm von einem freien Träger durchgeführt, der Lehrkräfte auf Honorarbasis einstellt bzw. mit "Anbietern der ergänzenden Lernförderung" (vulgo Nachhilfeinstituten) oder auch freien Trägern kooperiert, die bereits pädagogische Programme in Berliner Schulen anbieten.

Die Lehrkräfte werden im Vorfeld qualifiziert und erhalten von den jeweiligen Klassen- bzw. Fachlehrern Förderpläne und Lehrmaterialien für jedes Kind. Nach den Sommerkursen gibt es Auswertungsgespräche mit den Kindern, Eltern und Lehrern. Das Projekt wird evaluiert. Ein gewisser Qualitätsanspruch ist erkennbar - dieses Angebot sollte man nicht ablehnen.

Einziger Minuspunkt: die Teilnahme an der Sommerschule soll im nächsten Halbjahreszeugnis vermerkt werden. Diese gut gemeinte Anerkennung kann auch als Stigmatisierung "armer und bedürftiger Kinder" empfunden werden und nach hinten losgehen.

Das ambitionierte Vorhaben lässt sich der Senat bis zu 12 Millionen Euro kosten.

 

 

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