Eine „Punktlandung“ sei es gewesen, sagt der Senator zu seinen Bemühungen, die Berliner Schulen am Beginn des Schuljahres zu 100 Prozent mit Personal auszustatten. In manchen Klassenzimmern und Diensträumen ist jedoch der Ärger über den Bruchpiloten Jürgen Zöllner groß.

Stolz präsentierte der Senator am 7. September eine Schnellabfrage zur Ausstattung mit Lehrkräften. „Rein rechnerisch muss von einer durchschnittlichen Ausstattung von 99,94 % ausgegangen werden“, so Zöllner. Die Werte schwanken allerdings von 97,7 % in Steglitz-Zehlendorf bis 101,4 % in Pankow. Was dazu führt, dass im Südwesten 41 Lehrer fehlen, während in Pankow 21 Lehrer zu viel sind. Der Grund dafür liegt laut Verwaltung in der „massiven Überschätzung der Zahl der Schüler in den Bezirken und Einzelschulen“. Über ganz Berlin betrachtet haben die Schulen mit 4000 Schülern mehr gerechnet als letztendlich zu Schuljahresbeginn in den Klassenzimmern sitzen, was einer Fehlschätzung von 230 Lehrern entspricht. Vor allem Doppelanmeldungen von Schülern würden zu diesen Fehlprognosen führen, so Senator Zöllner.

Korrekturen lassen sich erst durchführen, wenn die Köpfe in den Klassenzimmern gezählt werden können und deren Stundentafel und Förderbedarfe addiert sind. Das ist besonders bitter für den Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Während Pankow seine Schülerzahl um mehr als 800 überschätzte, verkalkulierte sich die Schulaufsicht im Südwesten nur um rund 350 Kinder. Ganz besonders präzise gelang die Rechnung für die Gymnasien: 3 Schüler von insgesamt 10.900 wurden doppelt gezählt.

Genutzt hat es rein gar nichts – im Gegenteil. Bereits im Mai stand der Bedarf für die Gymnasien fest, so der Leiter der regionalen Schulaufsicht, Hans Harnos. Bekommen hat er die Stellen nicht, weil die Prognosezahlen der Zentrale andere waren. Letztendlich steuerten die Gymnasien im Südwesten seit dem Frühjahr sehenden Auges auf Lehrermangel und Unterrichtsausfall zu, ohne dass irgendjemand etwas hätte tun können. Besonders betroffen waren das Arndt-Gymnasium, das Siemens-Gymnasium und die Goethe-Oberschule.

Erst massive Elternproteste haben an der Goethe-Oberschule dazu geführt, dass die Situation sich allmählich entspannt. Vertretungslehrer und befristete Einstellungen bauen langsam ein Defizit von rund 180 Unterrichtsstunden ab. Die Wut ist allerdings noch nicht verraucht. Die Eltern prüfen derzeit Möglichkeiten einer Klage gegen den Senat – ein Vorhaben, das Verwaltungsrechtler gerne als aussichtslos einstufen. Zum einen gibt es zwar eine Schulpflicht, aber ein Recht auf Unterricht gibt es nicht. Und auch im Falle der Goethe-Oberschule wäre es theoretisch möglich gewesen, durch Aufhebung von Arbeitsgemeinschaften und Teilungsunterricht sowie vorübergehender Zusammenlegung von Kursen oder Klassen den Regelunterricht zu gewährleisten. Ziemlich dünnes Eis für eine juristische Auseinandersetzung.

Indessen freut sich der Senator weiter über seine „Punktlandung“. 12, 4 Lehrerstellen fehlen in ganz Berlin, sagt die Bilanz – da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Und das geht so: Wenn das Lehrerkarussell sich gedreht hat und jeder am richtigen Platz ist, und wenn dann noch 60 befristete Einstellungen vorgenommen wurden, dann sind die Berliner Schulen zu 99,94 Prozent mit Lehrern versorgt.

Warum befristet? Die Senatsverwaltung geht davon aus, dass sich die Zahl der Schüler bis zur endgültigen Feststellung des Lehrerbedarfs bis zum Stichtag der sogenannten „Oktoberstatistik“ am 1. November noch einmal um rund 1000 Schüler reduzieren wird. Was etwa 56 Lehrerstellen entspricht, die man eventuell dann nicht mehr braucht. Die GEW rechnet derweil mit 400 fehlenden Lehrern für ganz Berlin. Auch eine Umfrage des Landeselternausschuss lässt schließen, dass der Bedarf höher ist.

Es soll Menschen geben, die das alles nicht mehr richtig ernst nehmen können.

{metatitle:And the Loosers are: die Gymnasien in Steglitz-Zehlendorf  | berlin-familie.de}