Der "Jakob Muth-Preis für inklusive Schule" 2010 geht an die Heinrich-Zille-Grundschule in Berlin, die Montessori-Gesamtschule in Borken (NRW) und die Waldschule in Flensburg. Für ihren vorbildlichen gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern erhalten die drei Schulen jeweils ein Preisgeld von 3.000 Euro.

Projektträger des zum zweiten Mal vergebenen Jakob Muth-Preises sind der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, die Deutsche UNESCO-Kommission und die Bertelsmann Stiftung.

Gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Schülerinnen und Schülern ist in Deutschland noch immer die Ausnahme. Die Inklusionsquote, der Anteil von Kindern mit Förderbedarf, die eine Regelschule besuchen, ist hierzulande im internationalen Vergleich äußerst gering. Im Jahr 2008 lag die Quote bei bundesweit 18,3 Prozent. In Spanien, Italien oder den skandinavischen Ländern besuchen dagegen fast alle Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine allgemeine Schule. Unter den deutschen Bundesländern sind Schleswig-Holstein, Berlin und Bremen die Spitzenreiter.

Das deutsche Förderschulsystem erweist sich häufig als Sackgasse für die weitere Entwicklung behinderter Kinder. Fast drei Viertel der Förderschüler bleiben ohne berufsqualifizierenden Schulabschluss. Größeren Erfolg verspricht die "inklusive Schule", wie sie auch die seit Anfang 2009 für Deutschland verbindliche UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung fordert. Nach einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann Stiftung gibt es in der deutschen Bevölkerung einen großen Rückhalt für Inklusion: 67 Prozent sprechen sich für gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern aus.

"Inklusive Bildung weltweit ist ein zentrales Anliegen der UNESCO. Inklusion muss als übergreifendes Prinzip sowohl die Bildungspolitik als auch die Bildungspraxis leiten", so Professor Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission. Inklusion erfordere, dass sich das Bildungssystem flexibel an die Bedürfnisse aller Kinder anpassen könne. "Um Bildungsgerechtigkeit zu verwirklichen, muss unser Bildungssystem allen Kindern ermöglichen, in einem gemeinsamen Unterricht voll am schulischen Leben teilzuhaben. Dafür brauchen wir Vorbilder – wie unsere Preisträgerschulen – die zeigen, wie Inklusion lebendig gestaltet werden kann."

"Die Preisträgerschulen beweisen, dass Leistung und Gerechtigkeit im Bildungssystem keine Gegensätze sind", betont Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. "Inklusive Schulen können herausragende Leistungen im kognitiven, künstlerischen und sozialen Bereich hervorbringen. Daher müssen wir das Veränderungstempo in Deutschland deutlich erhöhen und beim gemeinsamen Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern international Anschluss finden."

Der Preis ist benannt nach einem Vorkämpfer und Wegbereiter des gemeinsamen Lernens von behinderten und nicht behinderten Kindern, dem Pädagogen Jakob Muth (1927-1993). Mit der Auszeichnung wollen die Projektträger positive Beispiele für gemeinsamen Unterricht bekannt machen und zur Nachahmung anregen. Insgesamt hatten sich 113 Schulen aller Schulformen aus ganz Deutschland für den Jakob Muth-Preis beworben.

Hintergrundinformationen und Kurzporträts der Siegerschulen finden Sie unter www.jakobmuthpreis.de

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