Wegen massiver Elternbeschwerden, unter anderem bei einer Veranstaltung des Landeselternausschusses im Dezember, hat die Bildungsverwaltung eine Abfrage der Halbjahresnoten im ersten Kurshalbjahr der gymnasialen Oberstufe durchgeführt. Das Ergebnis: Die Differenzen zwischen dem 12jährigen und dem 13jährigen Bildungsgang sind im Durchschnitt minimal und weisen keine bemerkenswerten Unterschiede auf.

In Betrachtung des Punktesystems divergieren die Grund- und Leistungskurse der Bildungsgänge kaum voneinander, teilt die Verwaltung mit. Im Schnitt schneiden die Schüler mit dem 13jährigen Bildungsgang um 0,03 bis 0,57 Punkte besser ab als die G8-Schüler. Ein Punkt entspricht etwa einer Drittel Note. Einzig im Leistungsfach Spanisch, das jedoch von nur 2,6 % der Schülerinnen und Schüler gewählt wurde, gebe es einen Punktunterschied von 1,29.

„Die minimalen Differenzen, die ohnehin zwischen den Jahrgängen der gymnasialen Oberstufe auftreten, zeigen, dass sich Schulen und Schülerschaft in ihrer Gesamtheit gut auf den doppelten Abiturjahrgang eingestellt haben. Befürchtungen, dass in einzelnen Fächern der 12. Bildungsjahrgang gegenüber dem 13. Bildungsjahrgang Nachteile erleiden könnte, haben sich nach der Auswertung des ersten Kurshalbjahres nicht bestätigt. Trotzdem werde ich die Noten der Gesamtqualifikation des doppelten Abiturjahrganges weiterhin auswerten lassen und die Schulen dazu anhalten, alles zur Unterstützung der Schülerinnen und Schüler im 12jährigen Bildungsgang zu tun,“ so Bildungssenator Jürgen Zöllner.

Die Erkenntnisse der Verwaltung widersprechen gefühltem und konkretem Elternwissen an einzelnen Schulen. Von Noteneinbrüchen von zwei oder sogar drei ganzen Noten berichteten Eltern aus dem Zehlendorfer Siemens-Gymnasium. Am Fichtenberg-Gymnasium in Steglitz gibt es Ferienkurse für G8-Schüler in Mathematik. Deutliche Leistungsunterschiede wurden bei einer LEA-Veranstaltung auch von der Lichterfelder Goethe-Oberschule und aus anderen Gymnasien berichtet. Vor allem Mathematik schien ein Problem, aber auch die Naturwissenschaften.

„Ergebnisse einzelner Bezirke und Schulen liegen mir nicht vor“, so eine Sprecherin des Senators. Daher ließe sich auch keine Aussage zur Notwendigkeit oder der Art und Weise von Unterstützung für die Schulen machen.

Wie das Beispiel Lehrerausstattung zeigt, sind Durchschnittswerte mitunter wenig aussagekräftig bezogen auf die Einzelschule. Eine Ausstattung von 100 Prozent beinhaltet eben auch einen massiven Mangel an einzelnen Schulen. Auffallend ist, dass unter den Eltern, die große Notendifferenzen innerhalb der Lerngruppen in den gymnasialen Oberstufen beobachten, viele aus Steglitz-Zehlendorf sind. Vor allem die Gymnasien im Südwesten starteten in diesem Schuljahr mit zu wenigen Lehrern. Besonders betroffen: Das Siemensgymnasium und die Goethe-Oberschule.

Problematisch scheint der Doppeljahrgang auch in Niedersachsen zu sein. Einem Bericht der Frankfurter Rundschau zufolge gehen die Schüler dem Turbostress durch Klassenwiederholung aus dem Weg: Während landesweit derzeit rund 27 000 Gymnasiasten den 13. Jahrgang mit dem klassischen Abitur besuchten, seien es in den zwölften Klassen mit dem G8 nur noch 23 000. Im Jahrgang elf tummelten sich dagegen 30 000 Schüler. Das Kultusministerium spricht nach Angaben der Zeitung dagegen von "Einzelfällen".

Der doppelte Abiturjahrgang in Berlin wird das Abitur im Schuljahr 2012 erlangen. Die Noten der Halbjahreszeugnisse fließen je nach Planung der Schullaufbahn bis zu einem Viertel in die Gesamtqualifikation ein, die Gesamtqualifikation wiederum zu zwei Drittel in die Abiturnote. An 94 Gymnasien haben am 5. Januar 2011 8.034 Schülerinnen und Schüler des 12. Bildungsjahrganges und 8.747 des 13. Bildungsjahrganges ihr Halbjahreszeugnis erhalten.

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