Sie laufen durch U- und S-Bahnen, sitzen in Einkaufsstraßen oder lagern unter Brücken: Bettler gehören in Großstädten zum Straßenbild. Selbstverständlich ist der Umgang mit ihnen deshalb noch lange nicht. Der Caritasverband hat jetzt eine nützliche kleine Hilfestellung herausgegeben. Warum diese „Knigges“ so wertvoll sind.

Die „13 Tipps für den Umgang mit bettelnden Menschen“ haben das Ziel Vorteile abzubauen und um Verständnis werben. Gleichzeitig reihen sie sich die Informationen ein in eine Reihe von Ratgebern, die den Menschen in den unterschiedlichen Parallelwelten und Blasen Orientierung und Sicherheit im Umgang mit Gruppen gibt, mit denen sie selten in Berührung kommen. Das prominenteste Beispiel dieser Art von „Anleitung zum Umgang mit deinen Mitmenschen“ ist derzeit wohl das Portal Leidmedien.de.: >> Das Projekt Leidmedien.de der Sozialhelden wurde 2012 zu den Paralympics in London gegründet, um Journalist*innen Tipps für eine Berichterstattung über behinderte Menschen auf Augenhöhe zu geben. Ein Team aus Medienschaffenden mit und ohne Behinderung berät seitdem Redaktionen, um Berührungsängste abzubauen und Begegnungen zwischen nicht behinderten und behinderten Menschen zu schaffen. Statt Menschen an “den Rollstuhl zu fesseln”, sind sie “mit dem Rollstuhl unterwegs”; statt Menschen nur an “ihrer Behinderung leiden” zu lassen, ist es wichtiger das Leiden an Barrieren der Umwelt zu betonen (Stufen vor Gebäuden, fehlende Untertitel in Videos etc.) <<.

Es gibt praktischerweise viele andere Internetseiten, die Tipps im Umgang mit „speziellen“ Menschen bereithalten: mit Autisten, mit depressiven Menschen, und vieles andere. „Über den Umgang mit Menschen“  ist übrigens der Titel des Werkes, das heutzutage kurz als „der Knigge“ bezeichnet und vielfach als Etiketteratgeber missinterpretiert wird. Die Wikipedia zitiert aus dem 1788 erschienenen Werk des Adolph Freiherr von Knigge: „Wenn die Regeln des Umgangs nicht bloß Vorschriften einer konventionellen Höflichkeit oder gar einer gefährlichen Politik sein sollen, so müssen sie auf die Lehren von den Pflichten gegründet sein, die wir allen Arten von Menschen schuldig sind, und wiederum von ihnen fordern können. – Das heißt: Ein System, dessen Grundpfeiler Moral und Weltklugheit sind, muss dabei zum Grunde liegen“

Was also sollte der respektvolle und anständige Bürger beherzigen, wenn er auf einen Menschen trifft, der ihn um ein Almosen bittet? Ihm Geld geben. Oder fragen was er gebrauchen könnte. Alternativ an eine gemeinnützige Organisation spenden, die Hilfe für Obdachlose anbietet. In ihrem kleinen Ratgeber beantwortet die Caritas Fragen, die sich wohl jeder mal gestellt haben dürfte: Nein, eine Orientierung für die Höhe der Spende gibt es nicht. Sachspenden: nicht unbedingt besser als Bargeld. Ja, Obdachlosigkeit kann jeden treffen – deshalb ist die Begegnung mit Betroffenen vielleicht so unangenehm. Nein, Betteln ist nicht verboten. Gemeinschaftliches Betteln ist organisiert – kriminell deswegen aber noch nicht. Und so weiter…

Raul Krauthausen, Gründer des Vereins Sozialhelden hat einmal beschrieben, was er sich von Eltern wünscht, die mit ihren Kindern unterwegs auf einen Menschen mit Behinderung treffen. „10 Dinge, die Eltern ihren Kindern über Behinderungen beibringen sollten“ ist eine Anleitung zum unfallfreien Umgang. Hier nachzulesen, unbedingt empfehlenswert.

Kinder haben natürlich auch Fragen zu Menschen, die keine Wohnung und kein Geld haben. Warum also nicht den Euro, den wir für solche Begegnungen griffbereit in der Jackentasche haben, den Kindern in die Hand geben? Jede Menge Anlass zum Nachdenken und mehr wissen wollen - Wir wünschen gute Gespräche!

13 Tipps für den Umgang mit bettelnden Menschen: www.caritas.de/13-tipps-fuer-den-umgang-mit-bettelnden-menschen