Der Vorwurf: Er plagiiert schamlos und in Mengen, auch nachdem er entdeckt wurde. „Der Poet“ hat zahlreiche Follower auf facebook und Instagram, und mit zwei Büchern verdient er gutes Geld. Zwei Bloggerinnen meinen, wir sollten darüber sprechen – mit unseren Kindern.

„Der Poet“ ist, das legt sein Profilbild bei facebook nahe, ein Mann. Sonnenbrille, Bart, Hut – sein Alter ist schwer zu schätzen. Breite Schultern. Zum Anlehnen, soll das wohl sagen. Schließlich ist er, das sollen wir seinen Texten entnehmen, ein unglaublich einfühlsamer Mensch.

Der Mann ist nach Einschätzung vieler twitter-User ein Plagiator, und er ist aufgeflogen, einige Wochen ist das schon her. Es gab ein paar Medienberichte (zum Beispiel hier) Seine Webseite ist nicht mehr erreichbar, doch seine Bücher sind beim großen Versandhändler noch erhältlich.

Dort findet sich auch eine kleine Vorschau für Interessierte, seicht gefühlig geht es um das Leben, die Liebe, den Schmerz. Geschmackssache. Die einen wenden sich gelangweilt ab, andere mögen es. „Ich kann jeden das Buch empfehlen der mehr über sich selbst wissen möchte . Beim Lesen ertappt man sich selbst beim nachdenken ,dass man genau in solch einer Situation schonmal war und genau das gedacht hat . Teilweise ist es erschreckend woher der Schriftsteller einen kennt . Man bekommt das Gefühl der Schriftsteller schreibt ein Buch über Situationen aus deinem Leben. Aber woher weiß er das .“, schreibt Sandra in den Bewertungen beim großen Versandhändler.

Hier haken Bea Beste und „Darksun“ ein. Die beiden sind Twitter-Nutzerinnen, die dem „Poeten“ auf der Spur sind und seine Plagiate veröffentlichen. Eine Auflistung von Original und Fälschung gibt es hier bei Darksun:  Als Mütter können sich die beiden sehr gut in die Kundschaft des „Poeten“ hineinversetzen: weiblich und in irgendeiner Art von Lebenskrise. Auf Töchter kann das in besonderer Weise zutreffen.

„Gerade eine gefühlsgeladene, melancholische Webseite von einem jungen Mann, der sich traut, dunkle Gefühle anzusprechen, bringt auch Teenie-Herzen zum Schwingen… Das Problem dabei ist, dass sich hier Wirklichkeiten vermischen: Junge Menschen vor allem glauben, dass das ein Mensch mit echten wunderschönen Empfindungen ist.. und leidet… und Trost braucht“, schreibt Bea Beste, selbst Mutter einer Tochter.

Die beiden Frauen raten dazu, sich Zeit zu nehmen und das Thema anzusprechen, was Darksun bereits erledigt hat:  „verbunden mit einer erneuten Botschaft zum geistigen Eigentum: Es wird nichts illegal runter geladen, kopiert, verbreitet. Keine Texte, keine Fotos, keine Musik etc.“

Fake News und Plagiate kann man interessant finden und diese Phänomene mit einem gewissen wissenschaftlichen Interesse betrachten. Eltern sollten hellhörig werden, wenn Kinder und Jugendliche zur Zielgruppe gehören. Das ist ersichtlich, wenn Anbieter ihre Produkte über Kanäle bewerben, die mehrheitlich von jungen Leuten genutzt werden. „Der Poet“ beispielsweise hat rund 120.000 Follower auf Instagram, die ihm täglich hunderte von Herzchen zuwerfen.

Weiterführende Informationen rund um Kind und Kegel und das Internet gibt es bei www.schauhin.de