Big Data, Algorithmen, Anonymität im Netz, Online einkaufen, Cloud Computing, NetDocs... - wo Schulen und Eltern das Wissen fehlt, springt jetzt die Wissenschaft ein."Internet und Privatheit" heißt eine öffentliche Vorlesungsreihe der TU Berlin.

Das Internet lässt sich in seiner Bedeutung nur vergleichen mit einer neuen industriellen Revolution. Es verändert nicht nur Sektoren wie die Wirtschaft, Bildung und Forschung, auch der Privatbereich verändert sich zunehmend durch intelligente und vernetzte Geräte und Software. Wir kommunizieren über Messenger-Apps, kaufen im Internet ein, speichern Urlaubsbilder in der Cloud oder nehmen virtuelle Arztbesuche wahr. Die Nutzung von Online-Diensten weist weiterhin exponentielle Wachstumsraten auf, damit einher geht jedoch die weitreichende Übertragung privater Daten an eine schwer zu überblickende Datenwirtschaft sowie intransparente Institutionen. Dies birgt diverse Risiken. Etwa sind Persönlichkeitsrechte gefährdet, wenn Daten ohne Zustimmung gesammelt und ausgewertet werden. Bekannt ist mittlerweile auch die mögliche Gefährdung der Demokratie durch Online-Wahlbeeinflussung oder die potenzielle Beeinträchtigung des Rechts auf Gleichbehandlung, wenn Personen oder Gruppen durch Entscheidungen von Computeralgorithmen diskriminiert werden.

Ringvorlesung will sensibilisieren

Die öffentliche und für alle Interessierten frei zugängliche Ringvorlesung „Internet und Privatheit“ an der Technischen Universität Berlin möchte die zahlreichen, in der allgemeinen Öffentlichkeit kaum bekannten Details der persönlichen Durchleuchtung erläutern und die Debatte auf eine solide Faktenbasis stellen. Sie will Aufklärung leisten, die enormen Chancen und Möglichkeiten des Internets aufzeigen, aber genauso darlegen, wie „informationelle Selbstbestimmung“, also der Schutz der persönlichen Daten, sinnvoll umgesetzt werden kann. 

Kompakte Informationen für Lern- und Lebensbegleiter

„Bei unserer Ringvorlesung lernen die Hörerinnen und Hörer von ausgewiesenen Expertinnen und Experten, wo sich die Knackpunkte für Datenschutz und Sicherheit im Netz finden. Hier kann man nicht nur theoretisches Wissen auf dem aktuellsten Stand erwerben, sondern auch lernen, wie man sich selbst in der digitalen Welt schützen kann“, so Mitorganisator Dr. Franz-Josef Schmitt, wiss. Mitarbeiter am Institut für Chemie der TU Berlin.
Unterstützt wird die Vorlesungsreihe von der Lehrergewerkschaft GEW. Aber auch Eltern und andere Erwachsene, die sich als Lern- und Lebensbegleiter der jungen Generation verstehen, sollten sich angesprochen fühlen. Selbstverständlich steht die Reihe auch interessierten Kindern und Jugendlichen offen.  

Das vollständige Programm:

15.04. Steffan Heuer, San Francisco
Verfolgungswahn im Internet

29.04. Martin Tschirsich, Modzero, Darmstadt
All your Gesundheitsdaten belong to us

6.05. Max Schrems, noyb, Wien
Warum ich Facebook verlassen habe

13.05. Katharina Nocun, Berlin
Die Daten, die ich rief – wie wir unsere Freiheit verkaufen

20.05. Markus Beckedahl, netzpolitik.org, Berlin
Staatliche Ausspähung im Netz

27.05. Prof. Dr. Florian Tschorsch, TU Berlin
Anonym im Netz unterwegs

03.06. Dr. Frank Pallas, TU Berlin
Datenschutz und Technik über Anonymität und Sicherheit hinaus

17.06. Maja Smoltczyk, Datenschutzbeauftragte des Landes Berlin
Ein Jahr Datenschutzgrundverordnung

24.06. Prof. Dr. Ina Schieferdecker, TU und Weizenbaum Institut Berlin
Daten für die Öffentlichkeit – Daten als digitale Gemeingüter

1.07. Maija Poikela, TU Berlin
Location, Privacy and You

Öffentliche Ringvorlesung „Internet und Privatheit“

jeweils montags, 15.04.-01.07.2019, 16 Uhr c.t.
Architekturgebäude, Raum A151, Technische Universität Berlin, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin

alle Infos: blogs.tu-berlin.de/interprivat

 

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit (Karl Valentin)

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