Das Robert Koch-Institut hat vor dem Hintergrund des Polioausbruchs in Syrien auf die bestehenden Impfempfehlungen gegen Poliomyelitis hingewiesen. Eltern wird geraten, mögliche fehlende Impfungen ihrer Kinder jetzt nachzuholen.

Im Oktober waren nach Berichten der Weltgesundheitsorganisation in Syrien erstmals nach 1999 wieder Fälle von Kinderlähmung (Poliomyelitis) aufgetreten. Als wesentliche Ursache werden die aufgrund der Bürgerkriegssituation in Syrien seit 2011 deutlich zurückgegangenen Impfquoten gegen Polio gesehen. Aufgrund der Flüchtlingsbewegungen aus Syrien bestehe die Gefahr einer Einschleppung von Polioviren auch nach Deutschland, heißt es in einer Mitteilung des Instituts.

Bisher gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass das Poliovirus nach Deutschland eingeschleppt worden sei. „Sollte es dazu kommen, ist aber keine weiträumige Ausbreitung des Virus zu erwarten“, meint Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts. Grund seien die guten hygienischen Verhältnisse und die guten Impfquoten gegen Polio. Allerdings bedeuten Impfquoten von knapp 95 Prozent der Schulanfänger, dass in jedem Jahrgang auch mehrere 10.000 Kinder nicht vor Polio geschützt sind.

„Eltern sollten daher den Impfstatus ihrer Kinder überprüfen und eventuell fehlende Impfungen gegen Poliomyelitis jetzt unbedingt nachholen“, betont Reinhard Burger. „Das Beispiel Syrien zeigt auch, dass die Polio bei nachlassenden Impfquoten auch in Ländern wieder auftreten kann, wo sie bereits ausgerottet war.“

Eine vollständige Impfung gegen Polio besteht aus insgesamt fünf Impfungen im Säuglings- und Jugendalter, die in der Regel mit Kombinationsimpfstoffen erfolgen. Für Erwachsene empfiehlt die Ständige Impfkommission  Auffrischimpfungen, wenn ein erhöhtes Risiko besteht, mit dem Poliovirus in Kontakt zu kommen, zum Beispiel bei Reisen in Länder, in denen Polio vorkommt.

Die große Mehrheit der mit Polioviren Infizierten wird nicht krank, kann das Virus aber über mehrere Wochen mit dem Stuhl ausscheiden und dadurch auf andere Menschen übertragen. Eine Übertragungsgefahr besteht vor allem dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben und die Gefahr einer Virus-Einschleppung gegeben ist, wie z.B. in Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge und Asylbewerber aus Gebieten mit Poliorisiko.

Weitere Informationen:
Fachinformationen zu Polio und zum Impfen: www.rki.de/polio
Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission:  www.stiko.de
Externe reisemedizinische Beratungsstellen: www.rki.de/reise
Bürgerinformationen der BZgA zur Polioimpfung: www.impfen-info.de