Seit 2007 empfiehlt das Robert Koch Institut die HPV-Impfung von Mädchen. Nun raten die Wissenschaftler auch Jungen zwischen 9 und 14 Jahren zur Impfung gegen Humane Papillomviren.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 4.600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Bei fast 100 % dieser Tumore sind HPV-Infektionen ursächlich verantwortlich. Die durch HPV verursachten Krebsarten bei Männern sind Penis- und Analkrebs sowie Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens.

Eine Impfung schütze wirksam vor einer HPV-Infektion und daraus resultierenden Krebsvorstufen, betont Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. „Die Impfung ist sehr sicher, weltweit wurden bereits mehr als 270 Millionen HPV-Impfungen verabreicht, ohne dass wesentliche Impfkomplikationen aufgetreten sind.“

„Ich hoffe, dass möglichst viele Jungen die HPV-Schutzimpfung nutzen und die neue Empfehlung auch ein weiterer Anstoß für bislang nicht geimpfte Mädchen ist, die Impfung nachzuholen“, unterstreicht Wieler. „Bedauerlicherweise werden viel zu wenige Mädchen geimpft, dabei schützt diese Impfung vor Krebs“. 2015 waren nur 44,6 % der 17-jährigen Mädchen vollständig gegen HPV geimpft. Aufgrund der niedrigen Impfquote konnte auch der von der STIKO erhoffte indirekte Schutz für Jungen nur in begrenztem Maße erreicht werden. Mit der Empfehlung für die Jungen hofft die STIKO, den Gemeinschaftsschutz in der Bevölkerung zu stärken.

Der HPV-Impfstoff kann seinen vollen Nutzen nur entfalten, wenn es vor Impfung nicht zu einer HPV-Infektion mit einem im Impfstoff enthaltenen Typen gekommen ist, da es sich nicht um einen therapeutischen Impfstoff handelt. Nach Aufnahme von sexuellen Kontakten kommt es sehr schnell zu HPV-Infektionen. Studien bei Frauen zeigen, dass sich etwa 40% der Frauen in den ersten 1-2 Jahren infizieren. Aus diesem Grund liegt der optimale Zeitpunkt für eine HPV-Impfung vor dem Beginn der sexuellen Aktivität. Nach einer repräsentativen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2015 sind 65% der 17-jährigen Mädchen und 58% der 17-jährigen Jungen sexuell aktiv.

Auch nach dem ersten Sex können und sollten ungeimpfte Mädchen oder Jungen noch gegen HPV geimpft werden. Selbst wenn es dann schon zu einer HPV-Infektion gekommen sein sollte, kann die Impfung trotzdem noch einen Schutz vor den anderen im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen bieten.

Aktuell besteht in Europa in allen Ländern der EU sowie in der Schweiz, Liechtenstein, Norwegen und Island eine HPV-Impfempfehlung für Mädchen; außerhalb Europas gilt dies u.a. für Australien, Neuseeland, die USA und Kanada. Darüber hinaus wurde in Österreich, Schweden, der Schweiz, Liechtenstein, Kroatien, Norwegen, Australien, Neuseeland, USA, Israel, USA, Kanada, Puerto Rico, Panama und Brasilien eine Impfempfehlung für Jungen ausgesprochen.

Alle Infos: www.rki.de/Impfungen/HPV