Berlin fährt runter: Theater, Museen und Konzertsäle schließen. Veranstaltungen werden abgesagt oder verschoben, die Semesterferien verlängert. Unklar ist bislang, ob Kitas und Schulen flächendeckend und komplett geschlossen werden.

Auf Eltern könnte eine anstrengende Zeit zukommen. Wenn die Bildungsverwaltung ähnlich radikal vorgeht wie der Kultursenator und Einrichtungen schließt, stehen Mütter und Väter vor einer Art „Homestay-Challenge“: Vier bis fünf Wochen Urlaub mit den Kindern, ohne jedes kulturelle Angebot und mit der Auflage, möglichst wenige Menschen zu treffen. Eine echte Herausforderung für berufstätige Großstadteltern.

Schulschlieung corona 4914549 640Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Ob es so kommt, ist unklar. Und das liegt zum einen am deutschen Föderalismus, der Kompetenzen für die Bildung bei den Ländern und für die Gesundheit bei den Kommunen verortet. So ist es beispielsweise möglich, dass die Stadt Halle ab heute (13. März) alle Kitas und Schulen schließt, während sich die Kultusministerkonferenz am Tag zuvor nicht auf ein einheitliches Vorgehen der Länder einigen konnte.

Zum anderen war die wissenschaftliche Bewertung bisher nicht eindeutig, was die politische Abwägung ungeheuer erschwert. Zu den einflussreichsten Wissenschaftlern derzeit gehört der Berliner Virologe Christian Drosten. Der Leiter der Virologie der Charité, der auch die Bundesregierung berät, stand Schulschließungen skeptisch gegenüber – bis gestern. In seiner sehr hörenswerten Podcastreihe von der Wissenschaftsredaktion des NDR Hörfunks erklärte der Mediziner, sich geirrt zu haben: eine Kollegin habe ihn auf eine Studie aus den USA aufmerksam gemacht, die die Ausbreitung der spanischen Grippe in den Staaten (1918)  thematisiert und feststellt: die wenigsten Todesfälle gab es in Gebieten, die konsequent und rasch folgende Maßnahmen umsetzten: Veranstaltungen verbieten, Schulen schließen.

Nun sind wir 100 Jahre später in Europa und haben viele Kinder in Kitas, die es früher nicht gab. Und es gibt ganz im Gegensatz zu früher viele Mütter, die teilweise in Berufen arbeiten, die dringend gebraucht werden: Ärztinnen, Pflegepersonal, Laborkräfte und vieles mehr. Dazu kommen zehntausende Mütter und Väter, die die weitere öffentliche Infrastruktur am laufen halten. Ein Viertel aller Arbeitnehmer in Deutschland sind Eltern. Unter ihnen wird es nicht wenige geben, die auf die Großeltern zurückgreifen müssen, wenn die Kitabetreuung nicht möglich ist. Damit wären die Alten als Risikogruppe einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Bisherigen Zahlen zufolge versterben ein Viertel der infizierten Senioren.

Daniel Lingenhöhl, Chefredakteur des Wissenschaftsmagazins Spektrum.de, spricht sich in einem aktuellen Kommentar dafür aus „Kneipen und Unis“ zu schließen und Veranstaltungen abzusagen. Sogar „umfassende Reisebeschränkungen“ sind für ihn denkbar. Schulen und Kindergarten kommen für den Journalisten und promovierten Naturwissenschaftler erst in einem zweiten Schritt. „Noch raten die meisten Experten nicht dazu, die Kinder flächendeckend nach Hause zu schicken. Das Beispiel Wuhei, wo zu Beginn der Seuche Ferien herrschten, zeigt nämlich, dass geschlossene Schulen die Ausbreitung nicht gebremst oder eingedämmt haben.“

Es gibt also gute Gründe, Kitas und Schulen zu schließen, und zwar schon sehr bald. Uneindeutige wissenschaftliche Befunde eröffnen aber einen politischen Ermessensspielraum, und wir sehen bereits unterschiedliche Vorgehensweisen: Baden-Württemberg denkt über flächendeckende Schließungen nach. Hessen hat zunächst die Abiturienten bis zu den Abiturprüfungen am 19. März freigestellt. NRW tendiert zu Schließungen. Föderale Vielfalt in Deutschland, während im zentralistisch regierten Frankreich Präsident Emmanuel Macron die Schließung der Schulen bekannt gegeben hat.

In Berlin ist vieles offen, die Bildungsverwaltung hat am Donnerstag folgende Maßnahmen bekanntgegeben:

•    Die Durchführung von Schülerfahrten ins Ausland ist bis auf weiteres untersagt.
•    Schulische Veranstaltungen sollen auf das erforderliche Mindestmaß begrenzt werden: Unterricht, Mittagessen und Hortbetreuung. Nicht dazu gehören Exkursionen, Wandertage und Ausflüge, Theateraufführungen, Konzerte, Podiumsdiskussionen, Sportwettkämpfe.
•    Konferenzen, Sitzungen der schulischen Gremien sowie Schüler- und Elternversammlungen sollen nur durchgeführt werden, „wenn ein zwingendes dienstliches Erfordernis besteht“.

Die Senatorin ergänzt: „Je nach Lage der Dinge werden wir weitere Maßnahmen ergreifen.“

Mehr lesen im Netz:

Das Bundesgesundheitsministerium informiert:

www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

www.infektionsschutz.de

Aktuelle Infos der Bildungsverwaltung

www.berlin.de/sen/bjf/coronavirus/aktuelles

Coronavirus und Schulen: Was Eltern jetzt wissen müssen (SZ)

www.sueddeutsche.de/bildung/coronavirus-schule-kinder-eltern-rechte

Info der BVG:

Bis auf Weiteres bleibt die vordere Tür der BVG-Busse geschlossen. Fahrgäste werden gebeten, die zweite oder gegebenenfalls vorhandene dritte Tür für den Ein- und Ausstieg zu benutzen.
Fahrscheine werden im Bus bis auf Weiteres nicht verkauft. Bus-Fahrgäste sollen sich Tickets im Vorverkauf holen oder die elektronischen Tickets zu verwenden.
www.vbb.de/fahrplan/aktuelles/coronavirus

Möglichkeiten des e-Learnings

Corona als Chance für die Digitalisierung der Schulen? Ein bisschen sieht es danach aus. Hier kann man sich ein wenig Rat und Ideen holen:

rete-mirabile.net

ipad-in-der.schule

edunauten.de

www.gotomeeting.com

padlet.com/janmarenbach/virtuellerLernraum

mia.phsz.ch/Lernentrotzcorona

itslearning.com

web2-unterricht.ch

ictschule.com

anton.app/de

aixconcept.de/mit-digitalem-unterricht-gegen-corona

blog.schul-cloud.org/notfallplan

Lehrkräfte und andere Interessierte finden weitere Anregungen und fachlichen Austausch auf twitter: #twitterlehrerzimmer

 

 

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit (Karl Valentin)

Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, werfen Sie etwas in unseren Hut. Nur mit Ihrer Unterstützung ist es möglich, berlin-familie.de zu betreiben.