Nicht wissen, wen man fragen soll - das steht für viele am Anfang des Weges. Wenn es um Sucht geht, gibt es Heinz Kaufmann. Er beantwortet im „interaktiven Briefkasten“ des Berlin-Brandenburger Bildungsservers Fragen von Schülern, Eltern und Lehrern.

Die Antworten werden dokumentiert und nach Stichworten geordnet. So sind sie eine nützliche Fundgrube und eine erste Hilfe für Suchende. Beispiel: „Mein Sohn, 13 Jahre, ist eindeutig computersüchtig, hat keinerlei soziale Kontakte mehr, spielt fast rund um die Uhr, auch nachts heimlich, isst nur noch am PC, wird gewalttätig, wenn man ihm den Rechner wegnehmen will. Ich habe bereits versucht eine Verhaltenstherapie für ihn zu finden, er ist aber nicht bereit dazu. Was könnte man in so einem Fall tun?“

Wer als betroffenes Elternteil gerade Antworten zu diesem Thema sucht, merkt sofort: Ich bin nicht alleine. Dem vorgeschlagenen Wegweiser - Kaufmann empfiehlt eine Beratungsstelle für exzessiv Spielende – sind schon andere gefolgt. Ein kluges Konzept. Spätestens wenn Kaufmann ergänzt: „Diese Tatsache verunsichert viele Eltern so, dass sie sich gelähmt fühlen. Ein Austausch mit anderen betroffenen Eltern ist daher wichtig“ wird deutlich: Den Mann kann man gebrauchen.

Ein bis zwei Anfragen pro Woche, sagt Kaufmann, landen in seinem Briefkasten. Unterstützt wird der altersteilzeitarbeitende und für die Suchtberatung freigestellte Lehrer von seiner Kollegin Mayer-Frey. In speziellen Fällen oder rechtlichen Fragen kann er auf Experten in der Senatsverwaltung oder der Schulpsychologie zurückgreifen.

Kaufmann ist ein Urgestein der schulischen Suchtberatung. In seiner Studienzeit kellnerte der heute 61jährige im „Sound“, in dem zu dieser Zeit, Anfang der 70er Jahre, „Christiane F.“ ein und aus ging. „Die Suchtberatung hatte dort einen kleinen Raum, was mich sehr fasziniert hat“, so Kaufmann. Seine Abschlussarbeit hatte folgerichtig Therapiemöglichkeiten für süchtige Jugendliche zum Thema. 1977, die Zahl der Drogenabhängigen war stark gestiegen, wurde der Haupt- und Realschullehrer einer der ersten Kontaktlehrer für Suchtberatung.

„Die gab es damals nur an den Oberschulen“, erklärt Heinz Kaufmann, „aber heutzutage setzt man ja viel früher an.“ Zum Beispiel bei den Trostbonbons für die Kleinen. „Durch Ersatzhandlungen statt Zuwendung lernen schon die Jüngsten, dass es ein Mittel gibt, das wirkt“, sagt der Pädagoge. Heutzutage gebe es an jeder Grundschule einen Beauftragten für Suchtprävention. Deren Aus- und Fortbildung liegt auch in Kaufmanns Händen. „Ende der 80er Jahre waren noch 2 Tage für dieses Thema angesetzt, heute sollen wir die Kollegen in zwei Stunden fortbilden“

Die beste Prävention seien starke Kinder. Was auch immer das ist, und wie auch immer das gelingt: Kaufmann weiß aus eigenem Erleben als zweifacher Vater, dass das mitunter sehr schwierig ist. Da müsse man schon früh mit den Eltern ins Gespräch kommen. Der Austausch zwischen Schule und Eltern sei sehr wichtig. Dass er dafür die nötige Empathie aufbringt, zeigen seine Antworten an die Rat suchenden Eltern, Lehrer und Schüler.

Ein typischer Kaufmann: „Versuchen Sie, den Kontakt zu Ihrer Tochter nicht abbrechen zu lassen, auch wenn es manchmal notwendige Distanzierungen, auch von Ihrer Seite aus geben muss. Für ein Kind, gerade, wenn es erwachsen werden möchte, ist es wichtig zu wissen, dass es in stürmischen Zeiten immer wieder den "Hafen" Familie ansteuern kann, wo es Ruhe und Geborgenheit findet. Auch, wenn Sie es jetzt nicht erfahren, so haben sie vielleicht in der kommenden Zeit immer wieder Möglichkeiten, einen sicheren Hafen zu bieten. Gerade, weil die Welt "draußen" so erbärmlich aussieht. Ich wünsche Ihnen Gelingen dabei, auch wenn die großen Erfolge noch auf sich warten lassen.“

Großartig.

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Kaufmanns vergriffener Elternratgeber beim Cornelsen-Verlag, hin und wieder gibt es Restexemplare
Kaufmann bloggt hier

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