Die „Lady Di des ausgehenden 18. Jahrhunderts“, eine „preußische Madonna“ oder die „bürgerliche Königin“: Um Luise Herzogin zu Mecklenburg, besser bekannt als Königin Luise von Preußen, ranken sich Mythen und Geschichten. Die Erzählung von der unprätentiösen Adligen, der Schönen, der Bildungshungrigen, der (insgesamt zehnfachen) Mutter – sie ist Teil zahlreicher Romane und der Sachliteratur. Kinderbücher über die zu ihrer Zeit äußerst beliebte Königin gibt es wenige. Diana Johanns stellt vier von ihnen vor, majestätische Lektüre für verschiedene Altersgruppen.

„Es ist doch alles in dieser Welt nur Übergang. Doch wir müssen durch. Sorgen wir nur dafür, daß wir mit jedem Tage reifer und besser werden!“ So schrieb Königin Luise hellsichtig 1808 an ihren Vater, nach einer Zeit von Kriegen, Niederlagen, Fluchten, Demütigungen und  privaten Tragödien. Es ist ein übervolles Leben, welches hinter der bereits Todkranken liegt, die zu solch einer Lebensbejahung aufruft. Doch wie wird die Lebensgeschichte dieser mecklenburgischen Prinzessin, die dereinst als „Jungfer Husch“ ihre Schularbeiten niederklirrte, mit 17 Jahren verheiratet und mit 19 Jahren bereits Königin von Preußen wurde, die den Walzer und schöne Garderobe schätzte, ihre Familie und ein eher bürgerliches Leben liebte, ein bisschen in den russischen Zaren verliebt war und sich von Napoleon demütigen lassen musste und schließlich 1810 im Alter 34 Jahren an „gebrochenem Herzen“ starb, heutigen Kindern nahegebracht?

Es findet sich überraschend wenig im Kinder- und Jugendbuchregal. 150 Jahre lang wurde der Königin und ihr Einsatz als Mutter und Regentin mit einer Flut an Publikationen gehuldigt und diese verordnete Flut zum Aufbau eines Kults genutzt, der die jungen Männer eilfertiger in den Krieg und die jungen Frauen an den Herd und die Mutterschaft trieb. Der Markt wimmelte vor Gedenkblättern zu Jahres- und Todestagen, Romanen jeglicher Couleur und Süßlichkeiten, Lebensbildern aus glücklichen und glücklosen Tagen und Liedern und Singspielen zu Ehren und zum Gedenken. Kein Lesebuch in preußischen Breiten kam ohne einen Text über das „Deutsche Heldenmädchen“ aus, manch Backfisch verließ zwar ohne Abschluss, aber nie ohne genauer Kenntnis über Leben, Wirken oder Sterben der verehrten Königin. Doch mit den Ende Preußens nach dem Zweiten Weltkrieg endet auch Luises Karriere als Kinder- und Jugendbuchheldin (wohingegen sie im Roman- und Sachbuchbereich konstant populär bleibt).

Folgend eine Auswahl eventuell für das private Bücherregal, in jedem Fall aber für die Schulbibiothek:

Für kleine Prinzessinnen

Königin Luise wacht morgens auf und beschließt, ihren Mann, König Friedrich Wilhelm III. zu überreden, mit ihr auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. Ohne Königskrone und ohne die strenge Oberhofmeisterin Gräfin Voß. Aber das gehört sich doch nicht!

Luise Bildergeschichte

„Königin Luise und der Liebesapfel“ ist ein hinreißendes Kinderbuch, dessen Plot auf einer Anekdote fußt, die bereits im Bilderbuch „Die Königin Luise“ von 1896 erzählt wurde. Die Autorin fügt noch die berühmte Naschsucht der Königin und deren Freude an bürgerliche Lebensart hinzu und lässt dabei viel Raum für Fragen und Erklärungen. Warum ist es im Schloss kalt? Warum hat der König Flöhe? Was ist ein Stützkorsett? Die Geschichte wird abgerundet mit einer gut verständlichen Kurzbiographie und einem Rezept für Liebesäpfel. Ein großer Gewinn für das Buch sind die liebevollen und witzigen Illustrationen der bekannten Künstlerin Barbara Schumann, die den Schwung und die Lebensfreude der Königin zeichnerisch umzusetzen weiß.

Königin Luise und der Liebesapfel

Andrea Weisbrod
mit Bildern von Barbara Schumann
Elsengold Verlag , 5-7 Jahre
Antiquarisch erhältlich

Für kleine Historiker*innen

Die Biographie „Preussens Prinzessin“ hat bereits einige Auflagen und dies zu Recht. Ein Sachbuch für Kinder zu schreiben hat ja seine Tücken, da neben persönlichen Fakten nebenbei auch immer historische Zusammenhänge erklärt werden müssen. Und dies so knapp wie möglich ohne zeitgeschichtlich Relevantes zu unterschlagen. Dem Autorenpaar Magdalena und Gunnar Schupelius  ist dieses Kunststück gelungen. Erzählt wird das Leben der Königin, von der Kindheit bis zum Tod. Der Erzählton hat etwas märchenhaftes, daher ist der Text so angenehm lesbar, dass man von der Fülle an Informationen nicht verschreckt wird. Das Buch ist durchgehend bebildert, Zeichnungen von Beate Bittner im Sketchnote-Style nehmen den historische Gemälden und Illustrationen und den Themen des Buches die Schwere und halten mit ihrer spaßigen Schlichtheit die kindlichen Betrachter bei der Stange.

Luise Sachbuch Kinder
 
Preußens Prinzessin - Die wahre Lebensgeschichte der Königin Luise

Magdalena  und Gunnar Schupelius
Mit Illustrationen von Beate Bittner
Berlin Story Verlag,  14.95 €
6 - 12 Jahre

Für Teenager (und andere Erwachsene)

Sehr lässig kommt die Graphic  Novel „Luise“ aus dem Verlag Thomas Helms daher. Die Rahmenhandlung ist denkbar einfach: Ein Student, artgerecht mit Nickelbrille, Zottelhaar  und Pullunder ausgestattet, soll ein Referat über Königin Luise verfassen. Die junge Bibliothekarin (adrett mit Rollkragenpullover und Kurzhaarfrisur) verweist auf eine sehr, sehr lange Regalreihe. Mut- und lustlos greift der junge Mann zum ersten Band und es folgt eine Schilderung des Lebens der Königin.  Eine wirklich ausgezeichnete Darstellung des Lebens Luises. Selten sind in einem biographischen Comic eine derartige Fülle an Informationen zusammengetragen und so entspannt dargeboten worden. Allein die Darstellung, warum die preußische Armee die Schlacht bei Jena und Auerstedt  verlor, ist wegen ihrer Lakonie hinreißend komisch. Manchmal steigert sich dieser Humor ins Slapstickhafte, jugendlichen Lesern wird dies jedoch sicher gefallen.

Luise Comic

Die lockere Art der Illustrationen von Stella Schüssler vereinfacht den Einstieg in das Thema zusätzlich, doch auch hier ist man von der Genauigkeit und dem hohen Wiedererkennungswert immer wieder überrascht.  Für Kinder unter 14 Jahren ist der Comic allerdings nicht zu empfehlen, da es die eine oder andere schlüpfrige Stelle gibt, ebenso wird jeder enttäuscht sein, der bei der „detektivischen Reise“, von der die Verlagswerbung spricht, auf einen historischen Kriminalfall hofft. Nein, es ist ein wirklich gut recherchiertes, populärwissenschaftliches Werk, welches zudem mit einem Glossar und einer Literaturliste punktet. 

Luise: Das Leben der Königin von Preußen. Ein Comic

Arno Sudermann
Gezeichnet von Stella Schüssler
Verlag Helms, 14,80 €
Ab 14 Jahren

Für Nostalgiker*innen

„Die Königin Luise“ ist DAS klassische Bilderbuch zum Leben und Sterben der Unvergessenen. Erstmalig im Jahr 1896 vom Berliner Verlag Paul Kittel herausgegeben, von den Künstlern Carl Röchling, Richard Knötel  und Woldemar Friedrich geschrieben und illustriert. Bereits ein Jahr zuvor hatten Röchling und Knötel das Bilderbuch: „Der Alte Fritz in 50 Bildern für Jung und Alt“ herausgegeben, für die freundlich-häuslichen Bilder wurde Friedrich hinzugezogen.  Damit war das Buch sowohl für Knaben (wilde Schlachtenszenen) als auch für Mädchen (reizende Bilder von  Kleidern und sozialen Taten) geeignet.

Luise in 50 Bildern

Der Text ist eine Mischung aus tatsächlichen geschichtlichen Ereignissen und gern kolportierten Anekdoten über die holde Königin. Die kolorierten Bilder spiegeln den Stil ihrer Zeit wieder, erkennbar von Meisterhand, sind doch alle drei Illustratoren Studenten an der Königlich Preußische Akademie der Künste gewesen und renommierte Vertreter der Historienmalerei. Fun Fakt gefällig? Alle drei Künstler arbeiteten mit dem Schokoladeproduzenten Ludwig Stollwerck zusammen, der seinen Schokoladentafeln Sammelbilder beilegte. Königin Luise erschien auf einer von diesen. Ob dies der naschhaften Königin gefallen hätte?  

Die Königin Luise. In 50 Bildern für Jung und Alt

Carl Röchling, Richard Knötel , Woldemar Friedrich
Nachwort von Sibylle Wirsing
Aus der Reihe: das künstlerische Kinderbuch 6
Agora Verlag

Unsere Autorin Diana Johanns hat Bibliothekswissenschaften, Literatur und Geschichte studiert, führt seit 2003 die Buchhandlung Hermes in Schöneberg und arbeitet seit 2018 als Schulbibliothekarin. Die Liebhaberin gedruckter Seiten ist 45 Jahre alt, hat zwei Kinder im Grundschulalter und nur zwei Passionen: Bücher und Schokolade.

 

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit (Karl Valentin)

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