Viele Hochschulen in Deutschland bieten mittlerweile die Möglichkeit, auch ohne die Allgemeine Hochschulreife ein Studium aufzunehmen. Sogar Medizin und Pharmazie sind unter den Studiengängen. Die Zahl der Studenten ohne Abitur wächst.

Vor allem für bildungspanische Eltern und ihre Kinder dürfte das eine interessante Information sein: Für Leute, die vor dem Abitur erst mal Richtung Berufsausbildung abbiegen, ist nicht „alles verloren“. Von den insgesamt 19500 Studiengängen in Deutschland können rund 8000 auch ohne allgemeine Hochschulreife aufgenommen werden.

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„Personen ohne Hochschulreife wird die Aufnahme eines Studiums aufgrund der mangelnden Transparenz in Deutschland sehr schwer gemacht“ stellt das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) fest. Die Situation im deutschen Hochschulsystem ist aufgrund des Bildungsföderalismus geprägt von einer großen Unübersichtlichkeit der Zugangsvoraussetzungen in den Bundesländern. Zudem legt jede Hochschule individuell fest, in welchen Studiengängen sie unter welchen Bedingungen Nicht-Abiturienten aufnimmt.

Mit dem Online-Studienführer „Studieren ohne Abitur“ hat das CHE gemeinsam mit dem Stifterverband für die deutsche Wissenschaft ein nicht kommerzielles Portal für Studieninteressierte ohne Abitur und Fachhochschulreife aufgebaut, das dieser Zielgruppe detaillierte Informationen zu Studienmöglichkeiten in Deutschland gibt. 

Der Online-Studienführer ermöglicht eine auf individuelle Bedürfnisse abgestimmte Suche nach Studienangeboten gegliedert nach Bundesländern und nach Hochschulen. Ferner werden Informationen zu hochschulpolitischen und rechtlichen Entwicklungen sowie Finanzierungs- und Vernetzungsmöglichkeiten bezogen auf das Studieren ohne Abitur in Bund und Ländern bereitgestellt.

Rund 60.000 Studierende ohne Abitur

Fehlende Hochschul- oder Fachhochschulreife kann in Deutschland seit rund zehn Jahren durch Berufserfahrung ausgeglichen werden. Diese Möglichkeit nutzen aktuell rund 60.000 Menschen. Damit hat sich die Zahl der Studierenden ohne Abitur zwischen 2007 und 2017 vervierfacht.

Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind insgesamt gefragter als Universitäten. Zwei Drittel aller Studienanfänger(innen) ohne Abitur entschieden sich 2017 für diesen Hochschultyp. Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei der Trägerschaft der Hochschulen: Bundesweit betrachtet ist die Studienanfänger(innen)quote an privaten Hochschulen besonders hoch, hier beginnen fast 11 Prozent aller Erstsemester ihr Studium ohne allgemeine Hochschulreife. Im Vergleich dazu sind es an staatlichen Hochschulen insgesamt nur zwei Prozent.

Insgesamt wählte mit knapp 56 Prozent mehr als die Hälfte aller Studienanfänger(innen) ohne Abitur im Jahr 2017 ein Fach aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. An zweiter und dritter Stelle stehen die Ingenieurwissenschaften (20,8 Prozent) und Medizin/Gesundheitswissenschaften (11,5 Prozent). Rund 90 Prozent der Studierenden sind in einem Bachelor-Studiengang eingeschrieben.

Noch immer weitgehend unbekannt ist, dass selbst ein Medizin- oder Pharmaziestudium ohne Abitur möglich ist. Hierbei ersetzt etwa die Note der Meister- oder Fachwirtprüfung die Abiturnote bei der Bewerbung. 2017 gelangten auf diesem Wege rund 800 der insgesamt 109.000 Medizinstudierenden an einen der begehrten Studienplätze.

Generelle Voraussetzung für die Bewerbung um einen Studienplatz ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife ist eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie der Nachweis von Berufserfahrung.

Kurz und kompakt: www.che.de/kurz_und_kompakt_Studium_ohne_Abitur

Alle Infos: www.studieren-ohne-abitur.de

 

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