Aus Sicht des Direktors der Abteilung "Struktur und Steuerung des Bildungswesens" beim Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Professor Kai Maaz, ist das Scheitern des von der Bundesregierung geplanten Nationalen Bildungsrates, der länderübergreifend für eine bessere Vergleichbarkeit und gemeinsame Qualitätsstandards an Schulen sorgen sollte, bedauerlich.

Das machte Maaz während einer öffentlichen Sitzung des Parlamentarischen Beirats für Nachhaltige Entwicklung am Mittwochabend zum Thema "Strukturanforderungen an ein zukunftsfähiges Bildungssystem" deutlich. Damit sei eine Chance liegengelassen worden, sagte er. Die anstehenden Herausforderungen im Bildungsbereich könnten die Länder nicht allein bewältigen. Dass die Länder nun eine eigene Initiative - ohne den Bund - starten wollten, sehe er kritisch. Es sei wenig sinnvoll, "zentrale Fragen, die das Bildungssystem betreffen, ohne Beteiligung des Bundes zu diskutieren". So gebe es etwa bei der beruflichen Bildung geteilte Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern. "Wenn man den Bund nicht im Boot hat, muss man nicht über berufliche Bildung nachdenken", sagte Maaz. Gleiches gelte auch für andere Bildungsbereiche.

Der Bildungsforscher machte zugleich deutlich, dass es in Deutschland einen Trend zu höherer Bildung gebe, welcher sich an der Anzahl der jeweiligen Bildungsabschlüsse ablesen lasse. Abiturabschlüsse würden stärker nachgefragt als Hauptschulabschlüsse, sagte Maaz. Zudem expandiere der Zugang zum Hochschulstudium auch weiterhin. Er selber, so Maaz, mache keinen Unterschied zwischen einem guten beruflichen Abschluss und einem Hochschulabschluss. Betrachte man aber "Ertragsindikatoren" sehe man auf allen Ebenen Vorteile beim akademischen Abschluss, fügte er hinzu.

Gefragt nach der Personalsituation im Bildungsbereich machte Maaz deutlich, dass es ein Problem bei der Rekrutierung von Personal auf allen Ebenen des Bildungssystems gebe. Folge davon seien viele Seiten- und Quereinsteiger, die aber auch qualifiziert werden müssten, sagte er. Zugleich verwies er auf die hohen Teilzeitquoten beim pädagogischen Personal von mehr als 50 Prozent. Es gebe also Personal, das aber anders ausgeschöpft werden müsse, so Maaz.

Deutschland sei auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen, betonte Professor Axel Plünnecke, Leiter des Kompetenzfelds Bildung, Zuwanderung und Innovation beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Nur so könne die Wertschöpfung in Deutschland gehalten werden und damit die Möglichkeit geschaffen werden, das Sozialsystem, die Pflege und die Rente auch künftig zu bezahlen. Diese qualifizierte Zuwanderung könne durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz sichergestellt werden, sagte Plünnecke.

Er machte zugleich deutlich, dass die Unternehmen in Deutschland mehr Investitionen in die Bildung fordern. Insbesondere in den MINT-Bereichen würden mehr Fachkräfte benötigt. Auf die Frage, was der Bund zur Unterstützung der MINT-Fächer beitragen könne, sagte Plünnecke, MINT-Fächer seien Aufsteigerfächer. Die MINT-Studiengänge seien diejenige mit dem höchsten Anteil an Studierenden, deren Eltern Nicht-Akademiker sind. Auch für Zuwanderer böten sich hier gute Möglichkeiten, weil Programmiersprachen weltweit identisch seien und auch die naturwissenschaftlichen Gesetze weltweit gelten würden. "Mit Ganztagsschulen und individuellen Hilfen kann der Bund hier ganz viel machen", befand er.

Deutlich mehr müsse auch in die Bildungsinfrastruktur der ländlichen Gebiete, vor allem im Osten Deutschlands, investiert werden, forderte Plünnecke. Man dürfe die Regionen, die aktuell zurückfielen, nicht aufgeben, sondern müsse deutlich in die Wissensinfrastruktur investieren.

Quelle: Heute im Bundestag (hib) vom 14.2.2020

 

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