Die Corona-Warn-App steht seit Mitte Juni zum kostenlosen Download zur Verfügung. Sie soll helfen, Infektionsketten schneller und umfassender zu erkennen und effektiv zu unterbrechen. Selbst Aktivisten für digitale Freiheitsrechte geben dem Tool das Prädikat „empfehlenswert“.

Das hat es wohl noch nie gegeben: Da gibt es eine neue App, die bitte Millionen Deutsche auf ihre Smartphones laden sollen, um damit – genau nichts - zu tun. Im Grunde sollen wir alle das Tool installieren und hoffen, nie wieder etwas davon zu sehen oder zu hören.

Die große Hoffnung, die sich mit der Nutzung der Technik verbindet: Wenn jeder und jede Einzelne schnell über eine mögliche Infektion durch Kontakt mit einem Infizierten informiert wird, kann sie oder er schnell reagieren und sich und andere schützen. Die Familie, Freunde und das gesamte Umfeld.

Die erste Frage, die sich viele dabei stellen ist: Kann ich die App bedenkenlos installieren? Wie sicher ist sie? Ist das alles datenschutzgerecht aufgebaut? Spannend sind dabei die Antworten derjenigen, die die Digitalpolitik der Bundesregierung in der Regel sehr kritisch begleiten und oft auf Mängel und Gefahren hinweisen. Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Club, wird mit den Worten „Da kann man nicht meckern“ zitiert. Und Markus Beckedahl, Gründer von Netzpolitik.org, schreibt: „Mit dem nun umgesetzten dezentralen DP-3T-Ansatz hat man sich für das bessere System entschieden. Dieser Ansatz verhindert, dass zentral gespeicherte Daten zweckentfremdet und für Überwachung genutzt werden können. Und das ist wichtig, um Vertrauen aufzubauen.“

Corona Warn AppCorona Warn App | Screenshot bundesregierung.de

Die Corona-Warn-App nutzt die Bluetooth-Low-Energy-Technik, um den Abstand und die Begegnungsdauer zwischen Personen zu messen, die die App installiert haben. Die Mobilgeräte „merken“ sich Begegnungen, wenn die vom Robert-Koch-Institut (RKI) festgelegten Kriterien, insbesondere zu Abstand (3 Meter) und Zeit (15 Minuten), erfüllt sind. Dann tauschen die Geräte untereinander Zufallscodes aus. Werden Personen, die die App nutzen, positiv auf das Coronavirus getestet, können sie freiwillig andere Nutzer darüber informieren. Dann werden die Zufallscodes des Infizierten allen Personen zur Verfügung gestellt, die die Corona-Warn-App aktiv nutzen. Wenn die App installiert ist, prüft sie, ob die Nutzerin oder der Nutzer Corona-positiv getestete Personen getroffen hat. Falls das der Fall ist, zeigt die App eine Warnung an.

Die „Corona-Warn-App“ ist ein Projekt im Auftrag der Bundesregierung und wird vom Robert Koch Institut herausgegeben. Beteiligte sind die Deutsche Telekom, SAP, die Fraunhofer-Gesellschaft und das Helmholtz-Zentrum CISPA als Entwicklerinnen. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz formulierte die Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit. Erstmalig und in dieser Form auch einmalig war die breite Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Entwicklung dieser App. Im Sinne einer maximalen Transparenz wurden alle Bestandteile und Codes der App auf der OpenSource-Plattform github veröffentlicht. Darüber hinaus wurde die Community auch zur aktiven Gestaltung und Kritik an den Entwürfen eingeladen.

Die Altersgrenze für die App wird mit 16 Jahren angegeben. Bei der Installation wird danach aber nicht gefragt. Daher ist es möglich und sogar sinnvoll, dass auch Jüngere die Technik nutzen. Da bisher unklar ist, ob und in welchem Ausmaß Schulen Orte der Infektion sind, wäre es zweckmäßig, alle Schüler und Eltern zu ermutigen, die App herunterzuladen. Im nächsten Schritt müssten die Schulen das Handyverbot aufheben...

Alle Infos: www.bundesregierung.de/corona-warn-app

 

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