Anton lebt in einem Lieblingsbuch. Anton, und natürlich das Buch, wird geliebt, weil es so toll und so anders ist als sein Besitzer. Eines Tages landet der unentbehrliche Schmöker aus Versehen in der Bücherei – und das Bison fällt vor Schreck aus dem Buch. In der Bibliothek warten viele Abenteuer – und eine neue Freundin. Eine liebevolle Geschichte über die Beziehung zum Lieblingsbuch für Kinder ab 7 Jahre.

Anton ist ein großes und mutiges Bison. Er lebt in einem Buch. Anton ist sehr haarig. Das Buch gehört Louis. Er ist das genaue Gegenteil von Anton. Er ist klein, gut in der Schule und völlig haarlos. Aber vielleicht gerade deshalb ist „Anton, das Bison“ Louis' Lieblingsbuch. Die beiden passen zusammen wie Topf und Deckel und Louis nimmt Anton überall mit hin: Sie gehen zusammen in den Park und Anton sitzt auf der Schaukel, auf der Schaukel daneben schaukelt das Buch mit Anton darin, beim Zahnarzt sitzt das Buch auf dem Zahnarztstuhl, im Restaurant sitzt Louis auf einem Stuhl und ihm gegenüber steht das Buch auf dem Tisch. Sogar ins Schwimmbad begleitet Louis Anton in seinem Buch.

Anton das Bison

Aber eines Tages begegnet Louis einem Dinosaurier. Wir können nur vermuten, dass das in einem Museum geschieht, denn die Illustration zeigt ein Dinosaurierskelett. Diese Begegnung fasziniert Louis so sehr, dass er alles über Dinosaurier wissen möchte. Seine Mutter macht sich mit Louis auf in die Bücherei und Louis deckt sich mit Dinosaurierbüchern ein. Alles dreht sich bei Louis nun um Dinosaurier und er liest und liest über sie. Anton bläst unterdessen Trübsal. Er ist bei Louis ein bisschen in Vergessenheit geraten. Diese Dinosaurier machen sich überall breit. Es ist fast so, als würde es Anton gar nicht mehr geben.

Eines Morgens aber ist Schluss mit den Dinosaurierbüchern. Louis' Mutter entdeckt die Bücher auf dem Nachttisch. Dabei ist die Leihfrist für die Bücher längst abgelaufen. Die Bücher müssen schnell zurück in die Bücherei. „Endlich“ denkt Anton. Aber Louis' Mutter packt auch Anton in seinem Buch mit in die Tüte. Auweia. Anton verlässt das Haus, ohne von Louis überhaupt Abschied nehmen zu können. In der Tüte unterwegs begegnet er der Nachbarskatze, schwebt über einem Hundehaufen und sitzt im Buch neben einer Tüte, in der eine Wurst ist. Auf dem Weg in Ungewisse denkt er an Louis und an Dinge, die er mit ihm erlebt hat.

In der Bücherei staunt er, wie viele Bücher es gibt. Das hat er nicht gewusst. Er war ja schon immer in Louis´ Familie. Erst bei Louis´ Großvater, dann bei Louis´ Vater - und davor? Er kann sich nicht erinnern.

In der Bücherei geht dann alles ganz schnell. Antons Mutter legt den Bücherstapel in einen Kasten. Die Bibliothekarin sagt „Ich fische sie dann nachher heraus“. HERAUSFISCHEN? Louis hat Angst, er soll ins Wasser geworfen werden? Er stellt sich vor, was alles passieren kann und wird. Er versucht sein Lied zu singen, um sich zu beruhigen, aber vor Angst wird er ohnmächtig.
Als er wieder zu sich kommt, stellt er drei Dinge fest: Er ist nicht tot. Er ist nicht nass. Er befindet sich auf dem Boden eines Holzkastens.
Er hat das Buch verlassen.

Alles ist dunkel in dem Kasten. Anton schnappt sein Buch und vorbei an zwei erstaunten Dinosauriern, die sich sehr wundern, dass Anton nicht mehr in seinem Buch ist, klettert Anton in Richtung Licht und sieht etwas sehr Unheimliches: Die Bibliothekarin bearbeitet ein ramponiertes Buch mit einer Schere. Anton muss schnell weg! Er singt sich Mut zu und hüpft aus dem Kasten. Aber da lauern immer mehr Gefahren. Eine Kindergruppe ist in der Bücherei und Anton hat Angst, dass sie ihn zertreten. So aus dem Buch gefallen ist er dann doch ziemlich klein. Er versteckt sich und wird inzwischen von Louis gesucht. Leider verpassen die beiden sich, weil Anton sich noch eine Weile aus Angst vor der Bibliothekarin versteckt hält. Irgendwann lernen die beiden sich dann doch kennen. Nicole ist sehr nett und Anton liebt die Bibliothek. Er hat einen guten Riecher für den Platz der Bücher. Er kann riechen, wohin sie gestellt werden müssen. In sein Buch muss er nur zurück, wenn andere Leute dabei sind. Denn das geht nicht, dass die Protagonisten der Bücher in der Bücherei herumspazieren. Und immer, wenn Anton im Buch ist, steht er in der Vitrine für Fundsachen, damit Louis ihn irgendwann vielleicht doch wiederfindet. Aber Louis wohnt schon gar nicht mehr in der Stadt und Anton lebt weiter in der Bibliothek. Nicole, die Bibliothekarin, quält die Bücher gar nicht, wie er zuerst dachte. Mit der Schere und dem Klebstoff repariert sie sie. Bis zum überraschenden Ende vergehen noch viele Jahre, in denen die ausgebüxte Romanfigur noch viel erlebt.

Ein Buch über die Liebe zu Büchern, zu Romanfiguren, die lebendig werden und eine Liebeserklärung an Bibliotheken. Die ungewöhnlichen Illustrationen sind farbenfroh und verspielt und lockern das Buch auf entspannende Weise auf. So kann der geübte Erstleser gut seinen ersten Roman alleine lesen. Aber auch zum Vorlesen eignet sich das Buch gut.

Anton, das Bison

Lou Beuchesne (Text), Kate Chappell (Illustrationen), Maja von Vogel (Übersetzung)
Carlsen Verlag
978-3-551-55396-6
9,00 €
Lesealter: 7-11 J.

Unsere Buchtipps sind Empfehlungen der Buchhandlung Schwericke in Lichterfelde. Der Laden liegt direkt am S-Bahnhof Botanischer Garten. Natascha, im Team verantwortlich für den Bereich Kinder- und Jugendbuch, stellt an dieser Stelle jede Woche eine Neuerscheinung oder einen gut abgelagerten „Mustread“ vor.

 

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit (Karl Valentin)

Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, werfen Sie etwas in unseren Hut. Nur mit Ihrer Unterstützung ist es möglich, berlin-familie.de zu betreiben.