Eine außergewöhnliche Reise in die Welt der Klänge. Für alle ab 4, die Musik mögen und näher kennenlernen möchten. Neuerscheinung!

An einem wunderschönen Samstagnachmittag, an dem die Luft voll Vogelgezwitscher war, saß der kleine Ton auf seinem Notenblatt am Klavier auf seiner Notenlinie und langweilte sich ganz fürchterlich. Er hatte seinen Platz am Ende der zweiten Reihe in der Zeile für die rechte Hand. Wenn seine Note gespielt wird, kommt er, klein wie er ist, fein und hell zum Klingen.

WENN seine Note gespielt wird! Aber Antonia, die am Klavier sitzen und üben sollte, saß nur ganz kurz am Klavier und kam wieder gar nicht bis zu den komplizierteren Stellen. Und heute war sie dann auch ganz schnell nach draußen verschwunden. Der kleine Ton kam nicht zum Klingen und wollte eigentlich auch mal nach draußen. Er fing an, ein wenig auf seiner Linie zu baumeln und nahm Schwung auf und da kam ihm eine Idee: Er wartete bis alle anderen Töne, Noten und der strenge Violinschlüssel Mittagsschlaf machten und baumelte dann so stark bis er von seiner Linie rutschte und in hohem Bogen direkt durch das Wohnzimmer flog.

Der kleine Ton

Weil er so leicht war, flog er direkt aus dem offenen Fenster und wurde fast ins gegenüberliegende Haus in die Wohnung geweht. Aus dieser Wohnung erklangen immer die schönsten Melodien. Doch der kleine Ton landete direkt vor der Haustür.  Gerade als er auf der kleinen Treppe aufkam, machte etwas einen Satz in die Luft. Dieses Etwas sah aus wie ein kleiner Balken und fing auch gleich an ein wenig zu fluchen. Der kleine Ton hatte das Ding unfreiwillig geweckt und obwohl das Ding fluchte, hatte es eine nette Stimme und der kleine Ton hatte keine Angst. Er erklärte, wie er dorthin gekommen war. Und der Balken stellte sich ihm als Penny Pause vor, die ab und zu mal aus dem Notensystem raus musste, weil bei ihr drinnen manchmal zuviel los war. Penny kannte sich draußen aus und ahnte, dass der kleine Ton in die Stadt wollte, um etwas zu erleben. Penny wollte sich eigentlich ausruhen, aber der kleine Ton ließ nicht locker und bat sie, mit ihm in die Sadt zu gehen. Und weil Penny ihn irgendwie niedlich fand, ließ sie sich erweichen.

Penny Pause war schon etwas geübter im Fliegen, aber Der kleine Ton hatte bald den Dreh raus und folgte Penny flink. Unten ihnen gab es allerhand zu entdecken: Felder in verschiedenen Farben, Häuser, die irgendwann immer mehr wurden und auch die geraden Linien, auf denen die Autos fuhren, wurden mehr.

Sie näherten sich der Stadt und kamen gleich an eine Baustelle. Das waren Töne, die der kleine Ton noch nie gehört hatte, aber ihm gefiel die Baustellenmusik. Wie gut, dass er Penny dabei hatte, die ihm die Baustelle erklärte und auch sagte, dass die Geräusche keine Musik sind. Aber Penny hörte dann auch nochmal genauer hin und nahm die einzelnen Geräusche nun ganz anders wahr und die Entdeckerlaune vom kleinen Ton gefiel Penny immer mehr. Penny wehte also schnell weiter, um dem kleinen Ton richtige Straßenmusik zu zeigen. Das Baustellengetöse wurde leiser und die Häuser unter ihnen wurden größer. Auf einem kleinen Platz stand ein Brunnen und ein wunderbarer Klang war in der Luft. Am Brunnen saß eine Musikerin und spielte Gitarre. Der kleine Ton war verzaubert und in seiner Verzauberung kam ihm eine tolle Idee. Er begann einen Plan zu schmieden, wie er mit Penny Pause zusammen sein Klavierkind Antonia für die Musik begeistern kann, damit sie mehr spielt und er öfter klingen kann. Und um den Plan umzusetzen, musste er einiges auf sich nehmen: Er fuhr mit Penny U-Bahn, wo sie einen Beatboxer trafen und Penny ihm erklärte, dass der Beatboxer die Klänge nur mit seinem Mund erzeugt. Die U-Bahn quietschte und schnaufte und der kleine Ton nahm alles ganz besonders wahr, weil alles für ihn neu war. Die witzige Penny Pause fand immer mehr Gefallen daran, dem kleinen Ton die Welt der Musik zu zeigen und so lernte der kleine Ton noch andere Musikrichtungen, wie Hip Hop und Pop kennen und landete sogar mit einem Jazz Trio auf der Bühne und mischte einfach mit. Gut, dass Penny Pause ihn immer wieder charmant mit lustigen Wortschöpfungen und fantasievollen Satzkonstruktionen wie „Sei lese Du Meise“, ein wenig bremste.

Eine schöne Geschichte, bei der sich alles um Musik dreht und bei der wir nebenbei viel über Musik lernen, z.B. als Der kleine Ton feststellt, dass er den Moment, wenn das Lied gerade verklungen ist, so schön findet. Penny erklärt ihm dann, dass das eine Pause am Ende ist, die auch zum Lied gehört.

Dem Illustrator Ulf K. Ist es gelungen, das Buch dreifarbig und witzig zu illustrieren. Er trifft die Atmosphäre gut, lässt aber der Musik genug Raum. Im Jazzkeller wurde die Textseite einfach weiß auf schwarz gedruckt. Damit erstreckt sich die Illustration eigentlich über die ganze Doppelseite und die dunkle Kellerstimmung ist perfekt.

Die Musik zum Buch und eine inszenierte Lesung sind als CD und als Download beim Migo Verlag erhältlich. Buch und CD sind in der Zeit des Lockdowns und durch freie Kapazitäten mit viel Liebe entstanden. Ein außergewöhnliches Buch, bei dem die Kombination aus Geschichte und Musik besonders gut gelungen ist.  Da man die Musik auch hören kann, ergibt sich ein ganz besonderes Leseerlebnis. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 4 Jahren, doch es ist auch durchaus für größere Kinder schön und interessant.

Der kleine Ton

Bela Brauckmann und Loretta Stern (Text) Ulf K. (Zeichnungen)
Migo Verlag
978-3-96846-016-1
15,00 €
ab 4 J.

Mehr Infos zum Buch

sowie zu den Künstlern, der Musik und Mitwirkenden gibt es hier
www.derkleineton.de

Unsere Buchtipps sind Empfehlungen der Buchhandlung Schwericke in Lichterfelde. Der Laden liegt direkt am S-Bahnhof Botanischer Garten. Natascha, im Team verantwortlich für den Bereich Kinder- und Jugendbuch, stellt an dieser Stelle jede Woche eine Neuerscheinung oder einen gut abgelagerten „Mustread“ vor.

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