Alle Menschen sind behindert. Mal mehr, mal weniger. Die einen immer, die anderen nur manchmal. Lebenswirklichkeit und Vielfalt für Kinder ab 5 Jahre.

Das Buch erinnert an Freunde-Bücher, die Kinder untereinander teilen und ihre Hobbies und Vorlieben in das Buch schreiben. Auf jeder Seite wird unter verschiedenen Aspekten ein Kind vorstellt, zum Beispiel: was das Kind mag, was es weniger mag, sein Lieblingssatz, seine Behinderung, was und ob man mit ihm spielen kann, was man mit ihm machen kann und was gut oder schlecht daran ist. Und wenn wir das Buch umdrehen, lesen wir außerdem Geheimwissen über die Behinderung des Kindes.

Alle behindert

So wird uns als erstes Anna vorgestellt. Auf der Illustration sehen wir Anna in der Mitte. Um sie herum lesen wir über sie. Wir erfahren, dass sie gerne lacht und umarmt. Sie mag Kuchen essen und schauspielern. Sprechen, Rechnen, Streit, Eile und Gemüse mag Anna nicht. Erst an vierter Stelle der stichpunktartigen Charakterisierung steht Annas Behinderung. Anna hat das Down-Syndrom, Trisomie 21. Es gibt noch kurze Informationen, wie oft das vorkommt, ob es wieder weg geht und wo Trisomie 21 herkommt. Viel mehr lesen wir darüber nicht, nur im Geheimwissen erfahren wir, dass Annas Zunge, die oft aus dem Mund guckt, nicht länger ist als die Zunge von anderen Menschen, sondern dass die Muskeln der Zunge schlaffer sind. Wenn wir sehr konzentriert sind, kann es sein, dass unsere Zunge sehr entspannt ist und auch aus dem Mund guckt.

Dafür erfahren wir mehr über Anna, was und wie sie gerne spielt. Wie man auf sie zugeht, was man lieber nicht macht und was für Vor- und Nachteile Anna hat, weil sie ist, wie sie ist. Wir lernen 24 weitere Kinder kennen, José, der Bayern-Fan ist, keinen Fisch mag und eine Lernbehinderung hat, weil er zu früh geboren ist. Aber es gibt auch Vanessa, die Tussi ist, und Leopoldine ist Helikopterkind.

Es ist wirklich lehrreich, die Steckbriefe aller Kinder zu lesen und zu entdecken, dass JEDES Kind eine Besonderheit hat, durch die es (manchmal) beeinträchtigt ist: Martha ist sehr schüchtern, Jeremias ist bildschirmsüchtig, Ella ist hochbegabt, Xenia hat Epilepsie und Karlotta ist ein Rüpel.  Im Anhang gibt es für uns eine kleine Aufgabe: Mit einem Zahnstocher oder einer Stricknadel können wir etwas in Blindenschrift schreiben und ertasten, wie es sich anfühlt – nur zum Lesen müssen wir dann einen Blinden fragen. Die große Aufgabe auf der nächsten Seite ist UNSER Steckbrief. An der Stelle können wir uns eintragen. Gar nicht so einfach über uns nachzudenken und zu überlegen, wo wir beeinträchtigt sind.

Alle behindert!

Horst Klein und Monika Osberghaus
Klett Kinderbuchverlag
978-3-9547-02176
14,00 €
ab 5

Unsere Buchtipps sind Empfehlungen der Buchhandlung Schwericke in Lichterfelde. Der Laden liegt direkt am S-Bahnhof Botanischer Garten. Natascha, im Team verantwortlich für den Bereich Kinder- und Jugendbuch, stellt an dieser Stelle jede Woche eine Neuerscheinung oder einen gut abgelagerten „Mustread“ vor.

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