Coronatests in Kitas: Larifari bei den Jüngsten

22. Nov 2021

Daniela von Treuenfels
Coronatests in Kitas: Larifari bei den Jüngsten

Das Testen in den Kitas wird dank Lolli jetzt ein wenig angenehmer für die Kinder. Die Freiwilligkeit aber bleibt. Eine Strategie ist nicht erkennbar.

Testen oder nicht? Angesichts galoppierender Inzidenzen und steigender Todeszahlen ist das eine fast ungehörige Frage. Bezogen auf die Kitas gäbe es dennoch Argumente dagegen, kleine Kinder in Kitas überhaupt mit irgendwelchen diagnostischen Verfahren zum Nachweis einer Coronainfektion zu behelligen. Die Virenlast der Jüngsten ist gering, die Ansteckungsgefahr eher mäßig. Zuletzt hat auch die Corona-Kita-Studie festgestellt, dass Ausbrüche in Einrichtungen der frühkindlichen Bildung eher selten sind. Last but not least: Kinder erkranken, wenn überhaupt, nicht schwer an Corona. Patrick Larscheid, Leiter des Reinickendorfer Gesundheitsamtes sagt zum Beispiel (im Tagesspiegel), den Kindern gehe es dabei gut: „Ich möchte nicht verhehlen, dass einige von ihnen ein paar Tage Erkältungssymptome haben, aber es ist halt nichts, woran man stirbt. Und die Kinder sind halt auch nach wie vor nicht gut in der Weitergabe der Infektion. Das hat unter anderem damit zu tun, dass ein kleines Kind noch keinen vollständig entwickelten Hustenstoß hat. Diese Mechanismen spielen bei uns eine Rolle, wenn es im Bereich der Atemwege um Infektionsübertragung geht.“

Für flächendeckende Coronatests auch in den Kindertagesstätten spricht dagegen vor allem die extreme Lage. Dass an der Verbreitung des Virus die Kleinsten unbeteiligt sind, wird mit explodierenden Fallzahlen immer unwahrscheinlicher. Zu dieser Unsicherheit kommt ein profundes Unwissen über die Langzeitfolgen einer Infektion bei Kindern. „Long-Covid oder Post-Covid Symptome gibt es auch bei Kindern, die Häufigkeit ist nicht bekannt, sehr wahrscheinlich aber geringer als bei Erwachsenen. Es ist schwierig, zwischen Long-Lockdown und Long-Covid zu unterscheiden, da die Symptome sich sehr ähneln. Die Studienlage dazu ist noch nicht belastbar“, sagen die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in einer gemeinsamen Stellungnahme vom 18. November.

In ihrer Erklärung fordern die Verbände, eine möglichst ungehinderte soziale und kulturelle Teilhabe der jungen Generation dürfe nicht erneut in Frage gestellt werden. „Bevor nicht alle anderen Möglichkeiten der Pandemiebekämpfung ausgeschöpft sind, sollte keinesfalls eine Schließung von Kindertagesstätten und Schulen wie in den bisherigen pandemischen Wellen in Erwägung gezogen werden“, mahnen die Kinderärzte. Kindertagesstätten und Schulen können und sollten unter Beibehaltung der Hygieneregeln offenbleiben.

Schutz der Kinder durch Impfung der Erwachsenen

„Ein ungehindertes Durchlaufen von Infektionen in Bildungseinrichtungen ist nicht akzeptabel“ heißt es weiter in dem Appell der beiden Verbände. Ab 12 Jahren stehe eine Impfung zur Verfügung. Eine Zulassung für Kinder ab 5 Jahren sei zeitnah zu erwarten. „Grundsätzlich aber sollten alle Erwachsenen im Umfeld der Kinder geimpft sein. Dies betrifft die Eltern und besonders aber alle Mitarbeiter/innen in Kindertagesstätten und Schulen. Für letztere soll generell 2G eingeführt werden.“ In der Praxis liefe der Vorschlag auf eine Impfpflicht für pädagogisches Personal hinaus – eine Forderung, die bisher weder die Lehrergewerkschaft GEW noch der Landeselternausschuss bzw. der Bundeselternrat erheben.

Weiter sagen die Kinderärzte: „Weiterhin soll 2G für Erwachsene überall dort gelten, wo Kinder und Jugendliche sich im Rahmen ihrer sozialen Teilhabe außerhalb der Familie aufhalten: an allen geschlossenen öffentlichen Orten, besonders in Sportvereinen, Schwimmbädern, Gaststätten und Behörden. Die Erwachsenen werden ihrer Verantwortung für die nachwachsende Generation nur dann gerecht, wenn sie sich selbst impfen lassen. Das gilt grundsätzlich natürlich auch für Eltern.“

Von Coronatests für Kinder ist in den dringenden Empfehlungen der Pädiater nicht die Rede - wohl aber für die Erwachsenen: „Zusätzlich zu 2G sollte das Personal regelmäßig getestet werden (2G plus)“. Diese Forderung folgt der Erkenntnis, dass Lehrer und Erzieher das Virus in die Lerngruppen tragen und weniger die Kinder. Ausbrüche, also eine Ansteckung innerhalb von Klassen oder Gruppen bzw über Kohorten hinaus kommen vor, sie waren aber in der Vergangenheit nicht häufig. (wie gesagt: es ist fraglich, ob diese Bewertungen bei einem derzeit rasanten Verlauf der Pandemie weiter Bestand haben)

Wenn politisch Verantwortliche anders handeln und statt der Erwachsenen lieber die Kinder testen, muss das gute Gründe haben. Risikoeinschätzung, Durchbrechung von Infektionsketten - das erhofft man sich im Allgemeinen von flächendeckenden Tests. Das kostet viel Geld, über Details will die Bildungsverwaltung auf Anfrage keine Auskunft geben. Von einer „relevanten Summe“ ist die Rede – ist das Geld gut angelegt?

Ob die Freiwilligkeit der Teilnahme valide Ergebnisse bringen kann, ist zweifelhaft. Coronaverharmlosung kommt in den besten Familien vor, ausgerechnet auf diese Kinder wird man in den Testreihen verzichten müssen. Dazu kommen die Teststäbchenvergesser, die Eiligen, und die Verträumten. Morgens zwischen 6 und 8 ist in den Familien der Turbo an, da kann so ein Coronatest auch schon mal verloren gehen.

Schüler aller Klassenstufen müssen sich verpflichtend testen, und zwar unter Aufsicht in der Schule. Wenn ein Teil der Gruppe fehlen würde, wäre das Ergebnis verfälscht – darüber waren die Schulpraktiker, Eltern und die Verwaltung bei der Einführung der Regelung einig. Auch dass man ein Auge auf „seine Pappenheimer“ haben sollte, war irgendwie sonnenklar.

In Kitas gibt es keine Pappenheimer, jedenfalls ist der Sprecher der Bildungsverwaltung davon überzeugt. „Wir gehen davon aus, dass die Eltern ein Interesse daran haben, ihre Kinder zu schützen“, sagt Ralph Kotsch. Die freiwillige Teilnahme sei ein Wunsch der Eltern gewesen.

Auch die nächste Neuerung ist auf den „vielfach geäußerten Wunsch der Eltern“ (Senatorin Scheeres) zurückzuführen. Statt Stäbchen für die Nase soll es jetzt Lollis für den Mund geben. Was für die Kinder angenehmer ist, führt in Punkto Sicherheit zu Abstrichen: Die Antigen-Lollitests sind weniger sensitiv, führen also häufiger zu falschen Ergebnissen.

Außer einem Nachgeben des Elternwillens ist eine Teststrategie nicht auszumachen. Eine unvollständige Kohorte mit weniger sensitiven Tests testen? Die Frage, ob das alles wirklich nötig ist, steht ja auch noch wie ein Elefant im Raum. Es entsteht der Eindruck, dass hier Beruhigungspillen in Lolliform ohne Sinn und Verstand über den Berliner Kitas abgeworfen werden.

Immerhin läuft seit ein paar Monaten in einigen Kitas ein Pilotprojekt mit PCR-Lollitests. Eine Auswertung war für September angekündigt und ist überfällig. Der Goldstandard PCR ist teuer - eine flächendeckende Anwendung müsste hart erkämpft und gut begründet werden.

Alle Infos zu Corona und Kitas

Die Senatsverwaltung bietet auf ihren Seiten viele wichtige Informationen und relevante Dokumente für Eltern mit Kita-Kindern. Hier wird auch wöchentlich die Anzahl der geschlossenen Kitas und Kitagruppen angegeben. Demnach waren am 18. November von den 2.811 Kitas 6 Einrichtungen geschlossen. In 105 Kitas waren einzelne Gruppen geschlossen.

https://www.berlin.de/sen/bjf/corona/kita/

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