12. Feb 2021
Selbsttests, Luftfilter und Masken: Der Senat will 70 Millionen Euro für den Infektionsschutz an Kitas und Schulen ausgeben. Die GEW sieht die Tests eher kritisch, für die Luftfilter gibt’s ein Daumen hoch vom Landeselternausschuss. Die Schulen sollen ab dem 22. Februar schrittweise öffnen.
„Selbsttests können einen wichtigen Beitrag zur Corona-Prävention leisten“, sagt Bildungssenatorin Sandra Scheeres, und auch die Gesundheitssenatorin ist überzeugt: „Die Selbsttests tragen dazu bei, eine noch genauere Übersicht über das Infektionsgeschehen zu erhalten und die Ausbreitung einzudämmen“, so Dilek Kalayci.
Von der Lehrergewerkschaft kommen Bedenken: „Abgesehen von der Frage, ab wann die Tests ausreichend zur Verfügung stehen, ist offen, wie genau die Anwendung erfolgen soll. Wird zu Hause getestet oder in der Schule? Wer soll die Kinder bei der Testung so anweisen, dass keine Fehler unterlaufen? Es herrscht große Unsicherheit. Auch ist fraglich, wie mit der Freiwilligkeit umzugehen ist. Wenn sich nur wenige Personen den Tests unterziehen, welchen Wert haben diese dann? Die Schulen dürfen mit den Fragen auf keinen Fall allein gelassen werden“, sagt die GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik.
Tatsächlich ist unklar, wann die ersten Selbsttests verfügbar sein werden. So sagt Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach in einem WDR-Interview: „Mit flächendeckenden Tests - zweimal pro Woche - könnte die Pandemie gestoppt werden. In Deutschland müssten dafür 160 Millionen Tests pro Woche durchgeführt werden. Wir haben aber gerade nur 45 Millionen Tests pro Monat zur Verfügung. Das bedeutet: Im Schnitt kann jeder nur alle zwei Monate getestet werden.“
Eine massenhafte Selbsttestung ist aber noch lange nicht in Sicht: „Bislang wurden fast 30 Anträge auf Sonderzulassung von Laien- Schnelltests gestellt“, teilt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte via twitter mit. Alle Anträge würden mit höchster Priorität behandelt. Die Prüfdauer hänge von Qualität und Vollständigkeit der Daten ab, erste Sonderzulassungen seien voraussichtlich Anfang März zu erwarten.
Auch die Beschaffung von Luftfiltern zieht sich in die Länge und geht in eine zweite Runde. Im November waren 4,5 Millionen an die Bezirke verteilt worden, damit die Ämter wiederum geeignete Geräte für die Schulen beschaffen. Die Sache lief bestenfalls mittelmäßig; die Ausschreibungen zogen sich in die Länge, die Geräteauswahl war sehr unterschiedlich und die Verteilungskriterien fragwürdig. In der Konsequenz liegt das weitere Prozedere nun bei der Berliner Immobilien Managementgesellschaft (BIM), und beim Landeselternausschuss schrillten schon die Alarmglocken: Würde auf Qualität geachtet? Würde Lautstärke vor Preis gehen? Würde es die passenden Geräte für unterschiedliche Räume und Nutzungen geben?
Norman Heise, Vorsitzender des Elterngremiums, hat sich zum Experten in Sachen Luftfiltergeräte gemacht, und kann jetzt mitreden, wenn es um Spezialfilter, Volumenstrom pro Kubikmeter Luft, Schallstufen, Gerätegrößen und so weiter geht. Heise hat Studien gelesen, Ausschreibungen studiert und mit verschiedenen Bezirksämtern Kontakt gehabt. Und er ist: zuversichtlich. „Ich hatte ein einstündiges Telefonat mit einem Mitarbeiter der BIM – und wir haben alles abgeräumt“, sagt Heise. „Die BIM macht insgesamt 9 verschiedene Ausschreibungen“. Für die unterschiedlichen Räume – Klassenzimmer, Labore, Mensen, Werkstätten – sollte sich also bei Bedarf jeweils ein passender Luftfilter finden. Die empfohlene Lautstärke von 40dB Dauerschallpegel für Klassenzimmer würde als Kriterium berücksichtigt. Der Pegel könne diesen Wert bei größeren Räumen mit einer „geräuschvolleren“ Nutzung auch überschreiten.
Es wird also noch eine Zeit lang dauern, bis die versprochenen medizinischen und technischen Produkte, die die Sicherheit an den Schulen erhöhen sollen, wirklich an Bord sind. Die Bildungsverwaltung hat dennoch einen Plan zur schrittweisen Öffnung der Kitas und Schulen vorgelegt. Ab Montag, den 22. Februar, kehren die 1. Bis 3. Klassen im Wechselbetrieb in die Klassenzimmer zurück. Es gilt die Maskenpflicht, die Präsenzpflicht ist aufgehoben. In den Kitas wird die Höchstgrenze auf 60 Prozent angehoben. Wenn diese Marke nicht erreicht wird, können auch Kinder wieder betreut werden, deren Eltern nicht in einem systemrelevanten Beruf arbeiten.
(Mitteilung der Verwaltung im Wortlaut)
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