26. Nov 2025
Ein Jahr nach der Einführung der RSV-Immunisierung für Neugeborene und Säuglinge in Deutschland zeigen erste Auswertungen einen deutlichen Erfolg.
Ein Beitrag der Stiftung Kindergesundheit
Schnupfen, Husten und Atembeschwerden gehören für viele Kinder in den Wintermonaten zum Alltag. Nicht selten steckt hinter diesen Symptomen das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV. Es handelt sich um einen vorwiegend saisonal vorkommenden Erreger, der in Deutschland in den kalten Monaten (üblicherweise Oktober-März) gehäuft zu Infektionen führt. RSV ist weltweit verbreitet und eine der häufigsten Ursachen schwerer Atemwegsinfektionen im Säuglings- und Kleinkindalter. Während ältere Kinder und Erwachsene eine Infektion meist wie eine hartnäckige Erkältung überstehen, kann sie für Babys im ersten Lebensjahr gefährlich werden. Bronchiolitis, Bronchitis, Lungenentzündung oder mit einhergehender Atemnot sind mögliche Folgen. Jahr für Jahr füllen RSV-Erkrankungen die Betten der Kinderkliniken, belasten das medizinische Personal und bereiten Eltern große Sorgen.
Seit August 2023 gibt es erstmals eine wirksame Möglichkeit, Kinder zuverlässig zu schützen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit Juni vergangenen Jahres, dass alle Neugeborenen und Säuglinge den Antikörper Nirsevimab erhalten sollen. Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Impfung, sondern um eine sogenannte passive Immunisierung. Die Kinder bekommen mit einer einmaligen Injektion fertige Antikörper, die sofort wirken und für die gesamte RSV-Saison Schutz vor schweren RSV-bedingten Erkrankungen der unteren Atemwege bieten. Nach aktuellem Datenstand muss die RSV-Immunisierung nicht jährlich wiederholt werden. Zur Notwendigkeit von möglichen Auffrischungen kann derzeit noch keine Aussage getroffen werden.
Ergänzend steht seit August 2023 auch die Möglichkeit einer Impfung für werdende Mütter in der Schwangerschaft zur Verfügung. Schwangere Frauen können sich zwischen der 32.-36. Schwangerschaftswoche immunisieren lassen, sodass ihre Antikörper über die Plazenta auf das ungeborene Kind übergehen und in den ersten Lebensmonaten Schutz bieten. Diese RSV-Prophylaxe ist bisher jedoch nicht von der STIKO empfohlen. Für ältere Erwachsene ab 60 Jahren wurden zusätzlich Impfstoffe zugelassen, da auch sie bei einer Infektion ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben.
Die Erfahrungen aus der ersten Saison nach STIKO-Empfehlung für die Immunisierung mit Nirsevimab sind ermutigend. Eine erste bundesweite Auswertung des Robert Koch Instituts von bundesweiten Meldedaten weist darauf hin, dass die Zahl der mit RSV in Zusammenhang stehenden Krankenhausaufenthalte bei Säuglingen unter einem Jahr in der RSV-Saison 2024/25 im Vergleich zur vorherigen Saison ohne bestehende STIKO-Empfehlung um mehr als die Hälfte gesunken ist. Auch die besonders schweren Verläufe scheinen abgenommen zu haben: Offenbar mussten weniger Kinder auf Intensivstationen behandelt werden. Erste internationale Studien scheinen diesen Trend zu stützen. In anderen europäischen Ländern konnte die Rate schwerer RSV-Erkrankungen bei Babys durch die Immunisierung Berichten zufolge um bis zu siebzig Prozent reduziert werden. Diese ersten Daten lassen darauf hoffen, dass sich die Erwartungen an die neue Maßnahme erfüllen könnten.
Für Eltern stellt sich häufig die praktische Frage, wann der richtige Zeitpunkt für die Immunisierung ist. Die RSV-Saison dauert in Deutschland üblicherweise von Oktober bis März. Säuglinge, die im Frühjahr oder Sommer geboren werden, erhalten den Antikörper idealerweise im Herbst, damit der Schutz pünktlich zu Beginn der Viruswelle wirkt. Neugeborene, die während der Wintermonate zur Welt kommen, werden so früh wie möglich nach der Geburt immunisiert, oftmals schon in der Geburtsklinik oder bei der ersten Vorsorgeuntersuchung. Der Vorteil dieser Methode liegt in der sofortigen Schutzwirkung, die für die gesamte Saison anhält. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit bietet online einen RSV-Prophylaxe- und Impf-Check an. Mit wenigen Klicks erhält man damit eine persönliche Empfehlung, ob eine RSV-Prophylaxe oder RSV-Impfung benötigt wird.
Auch wenn die neuen Immunisierungen einen großen Fortschritt darstellen, können RSV-Infektionen weiterhin auftreten. Wenn ein Baby beim Atmen pfeift oder die Haut zwischen den Rippen eingezogen wird, erschrecken Eltern oft sehr – und genau dann sollten sie sofort handeln. Diese Anzeichen für Atemnot sind ernste Warnzeichen, ebenso wie weit aufgestellte Nasenflügel beim Einatmen. Auch schnelle, angestrengte Atmung sollte Alarm auslösen, genauso wie ein rasselndes Geräusch beim Einatmen. Weitere bedrohliche Symptome sind Trinkschwäche oder eine bläuliche Färbung der Lippen. Sie sind ein Zeichen dafür, dass nicht genügend Sauerstoff im Blut ankommt. Gerade bei Babys gilt: Lieber einmal zu viel in die Kinderarztpraxis oder Notaufnahme als einmal zu wenig. Die Stiftung Kindergesundheit hat einen Flyer und ein Erklärvideo zu RSV entwickelt. Hier finden Eltern die wichtigsten Informationen verständlich aufbereitet. Beides steht auf der Homepage der Stiftung zur Verfügung.
Zu Beginn der Einführung gab es noch Unsicherheiten, etwa bei der Kostenübernahme und der Verfügbarkeit des Präparats. Inzwischen sind diese Hürden weitgehend überwunden. Die Immunisierung wird von den Krankenkassen übernommen und ist in der kinderärztlichen Versorgung fest verankert. Auch die Akzeptanz bei Eltern ist hoch. Viele Familien nehmen die Möglichkeit dankbar an, ihr Kind mit einer einzigen Injektion wirksam vor einer der häufigsten schweren Infektionen des Säuglingsalters schützen zu können.
Die positiven Erfahrungen machen Hoffnung für die Zukunft. Mit einer noch breiteren Anwendung könnte die Krankheitslast durch RSV in den kommenden Jahren weiter sinken. Auch die Kinderkliniken könnten dadurch erheblich entlastet werden – ein wichtiger Aspekt angesichts knapper Betten und des anhaltenden Personalmangels. Offene Fragen betreffen vor allem die langfristige Wirkung und die optimale Kombination der verschiedenen Schutzmöglichkeiten, insbesondere der mütterlichen Impfung mit der passiven Immunisierung der Neugeborenen und Säuglinge.
Fest steht jedoch schon jetzt: RSV bleibt ein ernstzunehmender Erreger, doch mit den seit 2023 verfügbaren Immunisierungen haben Eltern endlich eine wirksame Möglichkeit, ihre Kinder im ersten Lebensjahr zuverlässig zu schützen. Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt Eltern, sich frühzeitig bei ihrer Kinderärztin oder ihrem Kinderarzt beraten zu lassen, um den bestmöglichen Zeitpunkt für die Immunisierung nicht zu verpassen. Jedes Baby verdient den bestmöglichen Schutz – gerade in den ersten, besonders empfindlichen Monaten des Lebens.
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