Sorgen um die Kinder- und Jugendmedizin

Quelle: Bundestag

Ärzte sorgen sich um die Entwicklung in der Kinder- und Jugendmedizin. Bei einem Fachgespräch am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Bundestages erklärten die Mediziner, dass die Versorgung in Kliniken unter einem hohen ökonomischen Druck stehe. Auch wird ein zunehmender Personalmangel vor allem in ländlichen Gebieten beklagt.

Thomas Fischbach vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (bvkj) beklagte einen zunehmenden Mangel an Fachärzten für Pädiatrie. Die Mediziner in diesem Bereich seien im Durchschnitt überaltert und hätten Schwierigkeiten, ihre Praxen an Nachfolger weiterzugeben. Die Versorgung chronisch kranker Kinder und solcher mit psychosozialen Erkrankungen sei aufwendig. Mediziner hätten es vermehrt mit psychosozialen Auffälligkeiten zu tun: Anpassungs- und Entwicklungsstörungen sowie Störungen des Sozialverhaltens.

Burkhard Rodeck von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) verwies auf Nachteile bei der Abrechnung durch Fallpauschalen (DRG) im Krankenhaus. Die kinderspezifische und sehr personalintensive Behandlung könne damit nicht immer sichergestellt werden. Problematisch sei die Abwicklung der Kinderkrankenpflege als Ausbildungsberuf zugunsten der Ausbildung von Generalisten. Die speziellen Versorgungsbedürfnisse der Kinder würden nicht hinreichend wahrgenommen.

Widerspruch kam von Christian Jacobs vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK), der eine systematische Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen im Vergütungssystem der Kliniken nicht bestätigen wollte. So gebe es allein 300 kinderspezifische DRGŽs, die hinreichend flexibel eingesetzt werden könnten. Die Belange von Kindern seien im Vergütungssystem sachgerecht abgebildet. Jacobs räumte aber ein, denkbar sei, dass einzelne Bereiche in Kliniken nicht auskömmlich finanziert sein könnten.

Die Kinderärztin Annic Weyersberg von der Universitätsklinik Köln sprach von einem teils hohen ökonomischen Druck auf Kinderkliniken. Die Kinder- und Jugendmedizin sei unterfinanziert. Die personal- und zeitintensive Behandlung rechne sich nicht und gehe an den Bedürfnissen der Kinder vorbei. Dies führe bei Medizinern zu ethischen Konflikten. Die Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Versorgung sei inakzeptabel.

Quelle: Heute im Bundestag (hib) vom 17.6.2020

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