Seewanderung: Lietzensee

23. Jan 2023

Norman Heise
Seewanderung: Lietzensee

Erstaunliche Idylle: Umgeben von Fernbahn, Stadtbahn, Autobahn und durchschnitten von der sechsspurigen Kantstraße ist der Lietzensee mit seiner Parkanlage eine Oase der Großstadt.

Noch vor 200 Jahren lag der Lietzensee mitten im Wald. 1824 erwarb der spätere preußische Staats- und Kriegsminister Job von Witzleben den Lietzensee und ließ in den Folgejahren erste Parkanlagen anlegen. Nach dem Tod Witzlebens 1837 wechselte der See mehrfach den Besitzer. 1840 erwarb der Kunstgärtner Ferdinand Deppe die das Gelände und machte es mit einer öffenlich zugänglichen Rosen- und Georginen(Dahlien-)zucht zu einer besonderen Sehenswürdigkeit.

Im Jahr 1905 wurden vornehme Mietshäuser direkt am Ostufer des Lietzensees gebaut. Dabei wurden drei Grünflächen ausgespart: der Witzlebenplatz, der Kuno-Fischer-Platz und der Dernburgplatz. Diese Aufteilung des Ufergeländes ist bis heute erhalten geblieben.

1910 erwarb die Stadt Charlottenburg das ganze Gelände und verhinderte die totale Bebauung des West- und Nordufers.. Sie sorgte für eine zügige Bebauung der Straßen und ließ in den folgenden Jahren den Park in einen Landschaftspark umgestalten.

1912-13 entstanden die Lietzensee-Kaskaden am Dernburgplatz und an der Wundtstraße. Es entwickelte sich ein Landschaftspark mit regelmäßigen Strukturen. 1924-25 wurde das Parkwächterhaus von Rudolf Walter erbaut. Nach starken Kriegszerstörungen der Parkanlage wurde sie in den 1950er Jahren wieder hergestellt.

1954 wurde durch einen Fußgängertunnel unter der Lietzenseebrücke eine Verbindung der beiden Parkteile geschaffen. Vor dem Parkwächterhaus wurde ein großer Kinderspielplatz angelegt. Das 1924 an der nördlichen Seeseite gebaute Café fiel 1973 einem Brandanschlag zum Opfer und wurde durch ein Provisorium ersetzt. Es wurde abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der 2009 als Bootshaus Stella am Lietzensee eröffnet wurde.

Dass die große Kaskade plätschert, die kleine Kaskade bald saniert werden soll, der Park gepflegt und die vielen Skulpturen ansehnlich bleiben, ist auch dem Engagement der Bürger zu verdanken. Der 2004 gegründete Verein „Bürger für den Lietzensee“ veranstaltet regelmäßig Reinigungsaktionen und sorgt mit Veröffentlichungen und Veranstaltungen für öffentliche Aufmerksamkeit.

Als nächstes soll die Politik dazu bewegt werden, Gelder für die Sanierung der kleinen Kaskade und der Lietzenseebrücke bereitzustellen. Auch der See wird seit 2021 aufwendig saniert: Eine Filteranlage und die Einsetzung von Wasserpflanzen sollen die bisher schlechte Qualität des Wassers verbessern.

Voller Ehrfurcht vor so viel Durchsetzungskraft machen wir uns auf den Weg:

In der Wundtstraße befindet sich einer der zahlreichen Zugänge zum Park. So erreichen wir auch den Weg am Ufer und laufen entgegen dem Uhrzeigersinn um den See. An der schmalen Stelle, die auf der Karte erkennbar ist, verläuft der Weg durch einen Tunnel unterhalb der Neuen Kantstraße.

Die große Wasserkaskade am südlichen Ende des Sees war während unseres Besuches abgestellt. Ab hier geht es über die Dernburgstraße, die zur Suarezstraße wird. An der nächsten Kreuzung biegen wir in die Kuno-Fischer-Straße ab. Beim Kuno-Fischer-Platz kommt man kurz ans Ufer. Weiter geht es über die Neue Kantstraße in die Straße „Lietzenseeufer“. Nach dem Seehotel kommt der See auch wieder in Sicht und der Weg verläuft in Ufernähe am Bootshaus Stella um das nordöstliche Seeende.

Nach ca. 500m kommt auch der Eingang in Sicht, an dem wir die Runde gestartet haben und wird somit zu unserem Ausgang und Ende der Runde.

Lietzensee zum Nachwandern unter www.komoot.de

Quellen / Leseempfehlungen

wikipedia.org/wiki/Lietzensee

www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/freiflaechen/parks

lietzenseepark.de

Lietzensee

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