06. Sep 2021

Der Schermützelsee ist der größte der Märkischen Schweiz. Eine Wanderung durch den Naturpark sowie durch Kultur und Geschichte.
Das Gewässer hat offensichtlich eine große Fangemeinschaft, die einen im Vergleich zu anderen Brandenburger Seen sehr langen Wikipedia-Eintrag verfasst hat. Enzyklopädisch-sachlich erzählen die Autoren von Geschichte, Kultur, Geologie, Flora und Fauna und noch viel mehr. Wer gerne vorab ein wenig stöbern möchte, dem seien Wikipedia-Artikel als Ausgangspunkt für weitere virtuelle Wanderungen generell sehr empfohlen.
Interessanterweise ist demnach die Entstehung des Schermützelsees unklar. Die einen Geologen gehen davon aus, dass das Becken des Sees schon vor der Weichseleiszeit da war. Die anderen Geologen gehen von einem Toteisloch aus.
Bertolt Brecht und Helene Weigel hatten hier ein Sommerhaus, heute ist das denkmalgeschützte Gebäude Museum und Gedenkstätte. Brecht schrieb hier das Gedicht „Die Lösung“ mit der schönen Frage „Wäre es da Nicht doch einfacher, die Regierung Löste das Volk auf und Wählte ein anderes?“
Viele Jahrzehnte zuvor
war natürlich auch Fontane mit seinem untrüglichen Gespür für die Schönheit
Brandenburgs in der Gegend. Er stieg auf die Bollersdorfer Höhe und sagte:
“Zweihundert Fuß unter uns der See. Wir nehmen nun unseren Stand und haben vielleicht das schönste Landschaftsbild vor uns, das die »Märkische Schweiz« oder doch der »Kanton Buckow« aufzuweisen vermag. Links und rechts in gleicher Höhe mit uns die Raps- und Saatfelder des Plateaus, unmittelbar unter uns der blaue, leicht gekräuselte Schermützelsee, drüben am anderen Ufer, in den Schluchten verschwindend und wieder zum Vorschein kommend, die Stadt und endlich hinter derselben eine bis hoch hinauf mit jungen frischgrünen Kiefern und dunklen Schwarztannen besetzte Berglehne.“
Auch über die versunkene Stadt im See, noch erkennbar an Resten von Pfahlbauten im Wasser, hat Fontane berichtet. Nachzulesen ist diese Geschichte auf dem Taucher-Portal easydive24. In einem lesenswerten Artikel gibt es auch ein Bild von einem maßstabgetreuen Modell der slawischen Burg aus der Eisenzeit (500 vChr).
Den Kopf voller Dinge, die man nicht (mehr) sieht, wandern wir los:
Als zentralen Ausgangspunkt nennen wir den Anleger des örtlichen Schifffahrtsanbieters. Das wäre auch gleich die erste Empfehlung. Die Runde um den See ist ohne Frage lohnenswert, aber es gibt nur wenige Stellen mit direktem Zugang zum See. Mit einer Runde auf dem Schiff über den See kann man sich einen ersten Überblick in ca. 45min verschaffen.
Vom Steg geht es Richtung Ortskern bzw. Süden bis zur nächsten Straße (Einbahnstraße namens Ringstraße) die nach rechts eine leichte Steigung nach oben führt. Auf einem schmalen Gehweg geht es vorbei an Häusern, die zwischen Weg und See liegen. Der See ist teilweise in Sicht.
Am Ende der Ringstraße nach rechts auf die Bertolt-Brecht-Straße abbiegen. Es geht vorbei an der Brecht-Villa, die innerhalb der Öffnungszeiten auch besichtigt werden kann.
Dem Straßenverlauf folgend, geht es an der nächsten Kreuzung wieder nach rechts auf die Werderstraße. Ab hier geht es erstmal ohne Häuser durch den Wald. Der See ist selten zu erblicken. Eine schöne Ausnahme bildet der freie Blick an einer Bucht. Hier stehen auch vier Bänke, die zum Sitzen und Genießen einladen.
Im weiteren Verlauf passieren wir den Weißen See. An zwei Stellen gelangt man an das Ufer des kleinen Sees.
Im Süden der beiden Seen knickt der Weg rechts ab. Vorbei an einem kleinen Fussball- und Spielplatz geht es weiter geradeaus. An der nächsten Kreuzung dem Wegweiser folgend nach rechts abbiegen. Auf einer wenig befahrenen Straße geht es wieder vorbei an Grundstücken. Teilweise wieder mit Blick auf den See. Am Ende einer kleinen Siedlung geht es wieder in den Wald. Der Weg bietet im weiteren Verlauf einiges an Aufs und Abs.
So geht es um das südwestliche Seeende und am Westufer teilweise oberhalb des Sees entlang. Hier gibt es nur sehr wenig Möglichkeiten auf den See zu schauen.
Auf Höhe des Rudervereins wechselt der Weg wieder auf Asphalt und beim Kinderwohnhaus „Weiße Taube“ geht es etwas versteckt hinter einem Haus eine Treppe hinunter, um den Rundweg fortzusetzen. Aber auch hier steht wieder ein Wegweiser.
Wieder im Wechsel von Wald und kleinen Siedlungen geht es zur Hauptstraße. Dort wieder rechts abbiegen und es geht zurück Richtung Ausgangspunkt der Wanderung. Dabei gibt es nochmal einen schönen und freien Blick auf den See.
Neben der Anlegestelle bzw. zwischen Strandbad und Anleger gibt es hinter dem kleinen Imbiss ein paar Bänke. Hier kann man zur passenden Zeit und bei gutem Wetter den Sonnenuntergang genießen. Vielleicht auch von der Bank im Wasser, wenn das Wasser nicht zu kalt ist.
Die Tour zum Nachwandern unter www.komoot.de

Norman wandert fast jeden Sonntag um einen See herum. Meistens in Brandenburg, manchmal in Berlin, und sogar in seinen Urlauben findet er immer ein Gewässer, das sich umrunden lässt. Seine Ausflüge dokumentiert er auf seinem Blog und der Wanderplattform Komoot. Wir übernehmen die Wandertipps unserer Region und ergänzen sie mit Wissenswertem, interessanten Details oder kuriosen Geschichten, die wir im Netz finden.
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