28. Mär 2022
In Sperenberg wurde 700 Jahre lang Gips abgebaut. Eine Wanderung entlang der alten Tiefbaue.
Gegen Ende der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren bedeckte anfangs noch eine starke Eisdecke das Gebiet um Sperenberg und verhinderte die weitere Hebung des darunter liegenden Salzstockes. Als sie schmolz und der Boden auftaute, löste nachströmendes Grundwasser das nachdrückende Salz auf und trug es über die Urstromtäler fort. Diese Lösung schuf in der Region mehrere Hohlräume, in denen sich unter anderem das Faule Luch und der Krumme See bildeten.
Der Salzstock bei Sperenberg ist der am weitesten im Osten gelegene und gehört zu den wenigen, die auch (durch tektonische Bewegungen) die Erdoberfläche durchbrochen haben. Nach dem Aufstieg des Salzes bis an die Erdoberfläche wurde dieses von Grundwasser aufgelöst. Die schwer löslichen Gips- und Tonbestandteile blieben zurück und bildeten einen ca. 100 m dicken Rückstand, den „Gipshut“.
Das Gestein fand schnell Verwendung als Baumaterial, Gipssteine finden sich beispielsweise im Kloster Zinna. Viel interessanter war jedoch, dass dieses Material, nachdem es verbrannt wurde, zu weißem Pulver mutierte – welches, mit Wasser vermischt, wieder zu einer festen Masse aushärtete.
Die Zeit verging, und die Herrscher des Landes ließen sich nach und nach ihre prächtiger werdenden Residenzen mit Stuck verzieren. Aus dem Abbau wurde ein Raubbau. Schon 1771 wurde ein Erdbeben registriert, das vermutlich auf Höhleneinbrüche nach Sprengarbeiten zurückging. Um 1850 wurde das gewonnene Gestein verschifft oder in den 9 Rosswerkmühlen mit 18 Brennöfen sowie in den 6 Dampfmühlen mit ihren 21 Brennöfen verarbeitet.
Um zu erforschen, wie tief die Salzschicht ist und welche tiefer liegenden Gesteinsschichten zu finden sind, wurde von 1867 bis 1871 die erste Bohrung über 1.000 m überhaupt und die bis zum Jahre 1886 tiefste Bohrung der Welt mit einer Tiefe von 1.271,60 Metern gemacht. Sie war für 15 Jahre das tiefste Bohrloch der Welt.
Die Bohrung bestätigte zudem eine These Alexander von Humboldts: Der Wissenschaftlerstellte vor etwa 200 Jahren einen Temperaturanstieg mit zunehmender Tiefe fest, als er auf seiner Forschungsreise durch Südamerika mit einem Reisethermometer Messungen der Erdwärme in tiefen Höhlen vornahm. Die Frage, ob die Wärme aus dem Erdinneren kommt oder doch nur Folge der Sonnenstrahlung ist, konnte erst diese Bohrung in Sperenberg beantworten. Der so erstmals präzise gemessene Wert der Temperaturzunahme betrug 3 °C pro 100 Meter. Dieser Wert wird bis heute weltweit als mittlerer Wert anerkannt und fand Eingang in die geowissenschaftlichen Lehrbücher des 19. und 20. Jahrhunderts.
1926 wurde der Gipsabbau wegen erheblicher Umweltschäden erstmals eingestellt. Nach dem Krieg wurden die Arbeiten wieder aufgenommen, um dann ab 1958 das Gelände wieder der Natur zu überlassen. Die vier Tiefbaue füllten sich mit Wasser, an den kleinen Seen siedelte sich eine eigene Fauna an. Das Gebiet steht heute überwiegend unter Naturschutz.
Diese Informationen finden sich auf den Seiten der Heimatstube Sperenberg, einem kleinen Museum im Erdgeschoss der alten Schule. Hier beginnt auch der Boden-Geo-Pfad, der mit Schautafeln Auskunft über die Geschichte des Gipsabbaus gibt. Der Weg führt entlang der ehemaligen Bruchkante des Gipstagebaus, dem heutigen Panoramaweg, bis hin zum höchsten Punkt des Rundwanderweges, dem 79,8 Meter hohen Gipsberg.
Unser Startpunkt ist jedoch der alte Friedhof. Von hier geht es Richtung Osten den Mühlenweg hinauf. Es geht leicht bergauf und zwischen Feldern in Richtung eines Aussichtsturms, der halbrechts in den Blick kommt. Dort angekommen, ist festzustellen, dass man einen schönen Blick auf den Krummen See und den Neuendorfer See hat, aber die vier Tiefbaue versteckt bleiben.
Vom Turm geht es zuerst ein paar Meter nach Süden und auf den Ersten Tiefbau zu. Der Weg gabelt sich. Wir gehen nach rechts. Es gibt ein paar Aussichtspunkte. Die Vegetation macht einen Blick hinab schwierig. Es kommen noch weitere dieser Aussichtspunkte und die Sicht wird von mal zu mal besser.
Der Weg knickt nach links und führt bergab. Unten angekommen direkt u-förmig links abbiegen. Wenige Meter später steht man auf direkt am ersten Tiefbau. Am Ufer entlang geht es weiter. Der Weg führt auf eine alte Freilichtbühne zu und biegt dann nach rechts ab. Eine Treppe kommt in den Blick. Oben angekommen geht es nach rechts auf den Panoramaweg. Von hier hat man die kommenden Tiefbaue von oben im Blick. Vorbei geht es am Zweiten und Dritten Tiefbau. Vor dem Vierten Tiefbau biegen wir nach rechts ab. Es geht wieder bergab. Unbedingt die Abzweigung nach links nehmen. So bekommt man einen schönen Blick auf den Vierten Tiefbau, der sonst im weiteren Verlauf eher etwas verborgen bleibt.
Zurück auf dem Weg weiter bergab. Unten angekommen wieder nach links abbiegen und dem Verlauf des Weges folgen. So geht es vorbei an ein paar Häusern auf das Faule Luch zu. Es geht direkt auf das umzäunte Gelände eines Angelvereins zu. Rechts vom Zaun geht es etwas versteckt zum Südufer des Sees mit einer tollen Sicht auf den See. Sehr ufernah geht es am See weiter. Es gibt ein paar Stege, die aber sehr abenteuerlich gebaut sind. Im Norden des Sees führt der Weg etwas weg vom Wasser. Hier bei der nächsten Gelegenheit links abbiegen. So erreicht man das Westufer des Sees. Immer auf dem Uferweg bleiben, also schön links halten. Der Weg endet wieder am Zaun des Angelvereins. Hier dem Weg mit dem Rücken zum Wasser folgen.
Den breiten Weg überquerend findet man auf der anderen Seite einen etwas unscheinbaren Pfad, der auf einen Wald zuführt. Auf der linken Seite gibt es ein Grundstück mit Häusern. An dem Zaun entlang kann man sich nicht verlaufen und landet oberhalb vom Vierten Tiefbau. Halbrechts führt der Weg wieder bergauf und es kommt wieder ein Aussichtpunkt. Diesmal mit Blick auf den Vierten Tiefbau. Weiter geht es geradeaus, bis zu der Stelle, die wir schon kennen und die bergab führt. Unten angekommen, diesmal nicht nach links, sondern nach rechts.
Es geht vorbei am Dritten Tiefbau. An dessen östlichen Ende führt an Weg zum östlichen Ufer. Der Weg schlängelt sich unterhalb des Panoramawegs zum Zweiten Tiefbau, hier befand sich oben erwähntes tiefstes Bohrloch der Welt, heute ein geologisches Denkmal. Vor dem Tiefbau links abbiegen. So geht es zurück auf eine Straße mit dem Namen Gipsstraße. So geht es um das südliche Ende des Zweiten Tiefbaus.
Die nächste Abbiegung nach rechts kennen wir schon. Sie führt zum Ersten Tiefbau. Diesmal halten wir uns an dem großen Sandhaufen rechts und laufen noch ein Stück an das nordöstliche Ufer des Zweiten Tiefbaus. Auf etwa der Hälfte drehen wir uns um und lassen den Sandhaufen links liegen. So erreichen wir wieder die Freilichtbühne und später die Treppe, die wir auch schon kennen.
Oben angekommen, geht es diesmal nach links. So erreichen wir wieder den Aussichtsturm und den Weg der uns zurück zum Ausgangspunkt bringt.
Die Tour zum Nachwandern unter https://www.komoot.de/tour/719740962?ref=wta
Norman wandert fast jeden Sonntag um einen See herum. Meistens in Brandenburg, manchmal in Berlin, und sogar in seinen Urlauben findet er immer ein Gewässer, das sich umrunden lässt. Seine Ausflüge dokumentiert er auf seinem Blog und der Wanderplattform Komoot. Wir übernehmen die Wandertipps unserer Region und ergänzen sie mit Wissenswertem, interessanten Details oder kuriosen Geschichten, die wir im Netz finden.
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