Die drei Fragezeichen im Planetarium

04. Jan 2023

Daniela von Treuenfels
Die drei Fragezeichen im Planetarium

Die Kultserie ??? als 3-D-Hörspiel unter der Kuppel verspricht Spannung für die ganze Familie. Die sehr männlich geprägten Kinderkrimis sind jedoch erklärungsbedürftig.

Das Zeiss Großplanetarium kündigt eine Weltpremiere an: »Die drei ??? und die singende Schlange« ist ab 13. Januar erstmals als 3D-Hörspiel zu erleben. Die Neufassung des 3D-Hörspiels mit den Originalstimmen der Kultreihe wird mit eigens für die Planetariumskuppel aufbereiteten Visualisierungen uraufgeführt.

Die Geschichte: Patricia Osborne ist eine seltsame Dame: Sie behauptet, Spinnweben seien hervorragende Heilkräuter und glaubt felsenfest daran, dass ein mit dem Messer um ihr Bett gezogener Kreis sie vor nächtlichem Unheil schützt. Als sie auch noch einen finsteren Mann namens Asmodi zu geheimen Zusammenkünften einlädt, reicht es ihrer Nichte Allie – sie ruft Die drei ??? zu Hilfe. Die Detektive Justus, Bob und Peter beobachten schauerliche Dinge: Zwischen vermummten Gestalten im Kerzengeflacker scheint sich plötzlich eine riesige Schlange zu winden. Werden Die drei ??? das Geheimnis enthüllen?

Die Originalstimmen von Justus Jonas (Oliver Rohrbeck), Peter Shaw (Jens Wawrczeck) und Bob Andrews (Andreas Fröhlich) „verschmelzen mit dreidimensionalen Sound-Effekten“, so die Veranstalter, „und schaffen im Zusammenspiel mit eigens für die Planetariumskuppel aufbereiteten abstrakten-atmosphärischen Visualisierungen eine besondere Atmosphäre.“ Ein kurzer Trailer gibt einen Vorgeschmack – das könnte Eindruck machen.

„Die drei Fragezeichen und die singende Schlange“ erschien 1972 erstmals auf englisch, 1975 kam die deutsche Ersterscheinung auf den Markt – zu einer Zeit, als Ehefrauen, die eine Arbeit annehmen wollten, noch um die Erlaubnis des Ehemannes bitten mussten. Eine Vergewaltigung in der Ehe war damals nicht strafbar. Die Frauenbewegung steckte noch in den Kinderschuhen.

Die ??? bilden den Geist dieser Zeit ab. Der Diplom-Pädagoge Sebastian Tippe rät deshalb davon ab, sie Kindern und Jugendlichen zugänglich zu machen. Sein Urteil:

„Die drei Jungen ermitteln in diesen vorgefertigten Schubladen von Fall zu Fall und erklären anderen auftretenden Personen mansplaining-mäßig die Welt – vor allem Justus ist der Meinung, dass jede Person belehrt und aufgeklärt werden muss. In der Hörspielversion des Tonstudios Europa wird die absolute Überrepräsentanz von Männern und Jungen noch durch den männlichen Erzähler verstärkt, der durch die Geschichte führt und diese kommentiert.“

Tippe präsentiert eine erschreckende Statistik:

„Bis zur Hörspielfolge 71 gibt es 872 Rollen. Davon sind 742 (!) männlich und nur 130 weiblich.
85,09% aller Sprechenden der Serie sind männlich und nur 14,91% weiblich.

In einigen Folgen gibt es dann nicht eine einzige Frauenrolle oder nur die obligatorische Tante Mathilda, die für den Haushalt und das Backen des Kirschkuchens zuständig ist.

Aber selbst wenn mehrere weibliche Charaktere auftreten, bedeutet dies nicht, dass sie überhaupt viel Text sprechen, für die Geschichte eine besondere Relevanz haben und die Geschichte mit voran bringen. Meist sind dies kleine Nebenrollen wie „Telefondame“, „Haushälterin“, „Pressefrau“, „Mutter“, „Tochter“ oder „Meerjungfrau“, die noch nicht einmal einen Namen haben.“

Sein Fazit: weder für Kinder noch für Jugendliche geeignet.

„Kindergeschichten, in denen weibliche Charaktere ausschließlich den Nutzen haben Männern zu gefallen, diesen zu gehören und von ihnen benutzt zu werden, dürfen Kindern nicht zugänglich gemacht werden. Es ist die Aufgabe von Eltern, Bildungseinrichtungen und der Politik, Kinder vor derartigem Material zu beschützen und ihnen Werte für ein Miteinander auf Augenhöhe zu vermitteln.

Es sollte sich genau überlegt werden, ob Serien wie „Die drei ???“, „Die drei ???-Kids“ oder „Die drei !!!“ den eigenen Kindern zugänglich gemacht werden oder ob es nicht besser ist, ihnen Alternativen anzubieten.“

Trotz solcher Mahnungen ist die Kinderkrimiserie erfolgreich wie zu Zeiten des Wählscheibentelefons. Käufer der Bücher und Hörspiele dürften in der großen Mehrheit die Eltern sein, die sich damit zurückbeamen in eigene Kindertage.

Im Planetarium gibt es nun die Aussicht auf ein Aufeinandertreffen der Betulichkeit der 70er mit ihren weitgehend unsichtbaren Frauen und modernster Technik der 2020er Jahre. Das kann interessant und spannend sein. Und starke Mädchen lassen sich von so ein bisschen Patriarchat nicht beeindrucken, vom gestrigen nicht und vom heutigen auch nicht.

Die drei ??? und die singende Schlange

Im Zeiss Großplanetarium

90 Min.

Ab 8 Jahre

Tickets und Termine: www.planetarium.berlin/die-drei-Fragezeichen-und-die-singende-schlange

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