Seewanderung: Bernsteinsee

12. Sep 2022

Norman Heise
Seewanderung: Bernsteinsee

Unter dem Sandstrand ein Schmuckkästlein: Der Zufall hat einem Tagebau im Barnim einen klangvollen Namen gegeben.

Man kennt das: die Leute brauchen etwas von Mutter Erde – Sand, Kies, Kalk, Kohle – und dann kommen sie mit riesigem Gerät und schaufeln ein großes Loch. Ein sehr großes und meistens sehr tiefes Loch. Irgendwann sind die Leute fertig und das Loch füllt sich mit Wasser. So entsteht ein Kiessee, ein Kalksee, ein Tagebausee oder einfach nur ein Baggersee.

Niemand in Deutschland hat jemals einen Bagger irgendwo hingestellt, um nach Bernstein zu buddeln. Das war vor allem Sache der Russen, die das fossile Harz auf der Halbinsel Samland seit Mitte des 19. Jahrhunderts in industriellem Ausmaß abbauen. Drei Viertel der Weltproduktion des beliebten Schmucksteins kommt aus der Region. Die dortige Fundschicht wird auch „Blaue Erde“ genannt und ist 35 Millionen Jahre alt.

In Deutschland hat die Gewinnung von Bernstein dagegen nahezu keine Bedeutung (mehr), was nicht bedeutet, dass es hier nicht auch Vorkommen gäbe. Die ältesten Bernsteinfunde Mitteleuropas stammen aus Braunkohletagebauen bei Helmstedt, des Geiseltales südlich von Halle, sowie bei Aschersleben und Profen bei Zeitz. Der älteste Bernstein wurde unter dem Braunkohleflöz Bruckdorf westlich von Bitterfeld gefunden, er ist damit etwa gleich alt wie der Bernstein der „Blauen Erde“ des Samlandes. Im gesamten Raum Leipzig-Bitterfeld wurden auf einer Fläche von 500 Quadratkilometern mehr als 20 Bernsteinvorkommen gefunden, darunter die bekannte Bernsteinlagerstätte Bitterfeld im Tagebaufeld Breitenfeld mit 1.500 Tonnen und im Tagebaufeld Gröbern bei Gräfenhainichen mit geschätzten 500 Tonnen Bernstein.

Gesucht hat danach niemand. Gewünscht und erwartet war vor allem Steinkohle und Braunkohle als Energieträger sowie Kies und Sand als Baumaterial. Auch der Kiessee bei Ruhlsdorf sollte Material für Baustellen liefern, Bernstein war ein Zufallsfund – mit dem man allerdings rechnen konnte: Bernsteinvorkommen im Barnim sind lange bekannt. Die Stadt Oderberg berichtet auf ihrer Internetseite von germanischen Burgunden, die um das Jahr 200 Handel mit Bernstein, Fellen und Wolle trieben.

So kam also ein schnöder gefluteter Tagebau zu seinem schmuckvollen Namen. Wo viel Kies ist, ist auch viel Sand, also auch jede Menge schöner Strand zur Freude nicht nur der Beachvolleyballer. Auf der anderen Seite der Landstraße liegt ein weiteres geflutetes Loch mit dem unprätentiösen Namen Kiessee. Sein Highlight ist die Wakeboard-Anlage, die im Sommer wassersportbegeisterte Menschen anzieht. Weitere Löcher sind in Sicht: Da der Kiesabbau noch nicht abgeschlossen ist, entstehen immer neue Baggerseen, die der Landschaft südlich von Ruhlsdorf den Namen "Land der wachsenden Wasser" verliehen hat. Ruhlsdorf wurde übrigens 2017 ausgezeichnet als das schönste Dorf im Barnim.

Wem das alles zu wunderbar ist, bringt ein wenig herbstlichen Nieselregen mit. Und kämpft sich tapfer durch sandigen Untergrund – los geht’s:

Ausgangspunkt unserer Runde ist der erste Parkplatz auf der linken Seite am Angelverein. Von hier aus geht es über die Straße zum See. Mit Blick auf den See nach links wenden. Parallel zur Straße auf einem Fuß- und Radweg geht es vorbei am Zaun des Strandbads bis zum nächsten Parkplatz. Dahinter bzw. auf Höhe der Einfahrt zur Wasserski-Anlage rechts abbiegen. Es gibt ein großes Geflecht an Wegen. Wir halten uns immer rechts und ziemlich direkt am Wasser. Diese Wege sind den größten Teil der Strecke sehr sandig. Es gibt aber weiter links und in etwas mehr Entfernung befestigtere Wege.

So geht es immer am Wasser zuerst um das südöstliche Ende des Sees. Von dort nach Nordwesten über den großen Sandstrand. Der Strand endet an einem Zaun. Hier rechts halten und immer weiter am Wasser entlang. Der Weg geht dann leicht bergauf und führt etwas oberhalb des Sees weiter nach Nordwesten. Am anderen Ende angekommen wieder rechts halten und auch bei der nächsten Gelegenheit, wenn der Sand in Sicht kommt, rechts abbiegen. So geht es nach Südosten wieder am Ufer entlang bis zur Straße. Hier rechts abbiegen. Wenig später kommt wieder der Parkplatz und damit das Ende der Runde in Sicht.

Die Tour zum Nachwandern unter https://www.komoot.de/tour/923043235?ref=wta

Quellen und Leseempfehlungen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bernstein

https://oderberg.info/geschichte.php

https://www.steinkern.de/forum/viewtopic.php?t=13204

https://oderberg.info/geschichte.php

https://beach-zone.de/#outdoor

https://berlin-beachvolleyball.de/beachvolleyball-bernsteinsee/

http://marienwerder-barnim.de/ortsteile/ruhlsdorf/index.php

Bernsteinsee 2

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Norman wandert fast jeden Sonntag um einen See herum. Meistens in Brandenburg, manchmal in Berlin, und sogar in seinen Urlauben findet er immer ein Gewässer, das sich umrunden lässt. Seine Ausflüge dokumentiert er auf seinem Blog und der Wanderplattform Komoot. Wir übernehmen die Wandertipps unserer Region und ergänzen sie mit Wissenswertem, interessanten Details oder kuriosen Geschichten, die wir im Netz finden.

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