Seewanderung: Löhmer Haussee

27. Jun 2022

Norman Heise
Seewanderung: Löhmer Haussee

Der Haussee im Barnim erzählt vom Auf und Ab zweier Dörfer an seinen gegenüberliegenden Ufern.

Namen sind Erinnerungsstücke. Vor- und Nachnamen geben Aufschluss über Familiengeschichten, Straßennamen halten die Erinnerung an historische Ereignisse oder Personen wach. Ortsnamen geben beispielsweise Aufschluss über Gründer (Karlsruhe) oder landschaftliche Besonderheiten (Frankfurt a.M.). Berlin leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet „sumpfiger Ort“.

Auch in den Namen von Seen steckt Geschichte. Der Klostersee gehört zum Kloster, der Küchensee war ebenfalls den Mönchen vorbehalten und diente als eine Art Speisekammer für die fleischlose Fastenzeit. Der Bauernsee war ein Gewässer für alle anderen.

Im Namen Haussee steckt ebenfalls ein Besitzanspruch, er ist gleichbedeutend mit „alles meins“. Wenn an einem See nun zwei Dörfer liegen, die beide zur gleichen Zeit gegründet wurden, lautet die naheliegende Frage: Wessen Haus ist da gemeint, wem gehört der See?

Am Haussee liegen die Dörfer Löhme und Seefeld. Beide wurden im Jahr 1375 das erste Mal urkundlich erwähnt, beide waren Rittersitze und im Besitz desselben Adligen. Wenn der See auf heutigen Karten nur als „Haussee“ bezeichnet wird, könnte das auf diese Gründungszeit zurückgehen.

Über die Jahrhunderte wechselten beide Dörfer mehrfach die Besitzer, die nicht immer ein glückliches Händchen hatten: „Nach dem Tod von Bernd von Arnim-Boitzenburg im Jahr 1661 war Löhme verwahrlost“ heißt es bei Wikipedia.

Über 70 Jahre später (1735) kaufte König Friedrich Wilhelm I. („der Soldatenkönig“) die drei Dörfer Löhme, Weesow und Willmersdorf und bildete daraus das Amt Löhme. Ämter hatten zu dieser Zeit die Aufgabe, herrschaftlichen Besitz zu verwalten. Manchen wurde auch die Verwaltung der Besitztümer der säkularisierten Klöster übertragen. Weitere Aufgaben waren die Gerichtsbarkeit über die Untertanen, die Einberufung des militärischen Aufgebots, die Verantwortung für die polizeiliche Sicherheit und die Finanzverwaltung.

Wie klein ein Amt auch gewesen sein mochte, es war ein Machtzentrum. Möglicherweise bürgerte sich der Begriff „Löhmer Haussee“ in der Zeit der Ämterverwaltung ein, die bis 1872 andauerte.

Im folgenden 20. Jahrhundert gehörte der ökonomische Erfolg der Gemeinde Seefeld. Die B 158 führt durch den Ort und der Regionalbahnhof ist nach dem Dorf benannt. Höhepunkt der Vormachtstellung war die Eingemeindung der bis dahin selbständigen Gemeinde Löhme.im Jahr 1998.

Dass das wehgetan haben muss, zeigen die vergangenen zwei Jahrzehnte. Die Gemeinde Seefeld wurde 2003 zu einem Ortsteil Werneuchens. 2014 wurde aus dem Ortsteil Seefeld-Löhme wieder zwei Einheiten: der Ortsteil Seefeld und der Ortsteil Löhme.

Wikipedia-Autoren sind in der Regel ortskundige Expertinnen mit einem feinen Gespür für regionale Zwistigkeiten. Ihr Beitrag trägt den Titel „Haussee (Seefeld-Löhme)“.

Voller Respekt für dieses diplomatische Geschick starten wir unsere Runde in der Nähe der Gaststätte Fischerhütte in der Seestraße. An der Straße geht es ca. 100m nach Westen bis zu einem Weg, der zwischen zwei Grundstücken zum See führt. Vor der Badestelle biegen wir links ab und laufen im Uhrzeigersinn um den See.

Das erste Stück führt in der Nähe zum Ufer zwischen Grundstücken und Uferzone nach Osten. Es gibt immer wieder kleine Trampelpfade zum Wasser und damit Gelegenheiten sich den See anzuschauen.

Der Weg endet an einer unbefestigten Straße. Der Wegweiser zeigt nach rechts. Wir folgen der Straße zum Ende. Hier biegen wir nach links ab. Aus der Straße wird ein schmaler Weg. Wir sind hier kurz vor dem östlichen Ende des Sees. Die Uferzone ist sehr dicht bewachsen und der See ist nicht mehr zu sehen.

Der Weg macht jetzt einen weiten Bogen. Es geht auf dem Naturlehrpfad zwischen Feldern und einem Feuchtgebiet vorbei an einer handvoll interessanter Hinweisschilder zu Flora und Fauna des Sees und der Geschichte der beiden Orte am See.

Immer auf dem Weg bleibend, kommen wieder Grundstücke und später der See in Sicht. An ein paar Stellen kommt man auch wieder an das Ufer.

Am westlichen Ufer weist der Wegweiser an einer Wegkreuzung nach links. Hält man die Augen auf, findet man auf der rechten Seite den Hinweis auf einen Trampelpfad mit Wegrichtung geradeaus. Wir entscheiden uns für den Trampelpfad und gehen also geradeaus weiter. Der Weg biegt nach rechts ab. Rechts gibt es auch hin und wieder einen Blick auf den See. An das Ufer kommt man nicht. Ein Stacheldrahtzaun verhindert das. Dem Weg folgend, gelangen wir auf einen befestigten Weg, der parallel zur Straße führt.

So geht es zurück nach Seefeld. Hinter dem Ortseingangsschild führt ein Weg nach rechts und zurück zum Uferweg. Ihm folgend, erreichen wir wieder die erste Badestelle, die wir gesehen haben. Hier also links abbiegen und zurück zur Straße. Dort nach rechts, vorbei an der Gaststätte Fischerhütte und damit zum Ende der Runde.

Die Tour zum Nachwandern unter https://www.komoot.de/tour/821847516?ref=wta

Alle Seewanderungen

Norman wandert fast jeden Sonntag um einen See herum. Meistens in Brandenburg, manchmal in Berlin, und sogar in seinen Urlauben findet er immer ein Gewässer, das sich umrunden lässt. Seine Ausflüge dokumentiert er auf seinem Blog und der Wanderplattform Komoot. Wir übernehmen die Wandertipps unserer Region und ergänzen sie mit Wissenswertem, interessanten Details oder kuriosen Geschichten, die wir im Netz finden.

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