Was fliegt denn da? Wege zum Vogelwissen

09. Feb 2022

Daniela von Treuenfels
Was fliegt denn da? Wege zum Vogelwissen

Vögel zu bestimmen und ihre Rufe und Gesänge unterscheiden zu lernen, ist mit den richtigen Apps ein spannendes Vergnügen.

Sie haben ein Gefieder, Flügel, Schnäbel und legen Eier – klar, das sind Vögel. Die meisten Arten können fliegen. Der Rest ist Vielfalt: 2021 wurde eine Studie veröffentlicht (die „Welt“ berichtete), wonach 50 Milliarden Vögel auf der Welt leben, auf einen Menschen kommen also 6 Vögel. Rund 10.000 verschiedene Arten gibt es. Insgesamt gibt es wenige Arten mit sehr vielen Individuen, fanden die Wissenschaftler heraus (die Studie ist hier veröffentlicht), an Platz 1 steht der Spatz mit 1,6 Milliarden Exemplaren. Dagegen bleiben 12 Prozent der Arten unter einer Population von 5000 Vögeln.

Rotkehlchen

Zur Wahrheit gehört auch: Es gibt immer weniger Vögel, immer mehr Arten sterben aus. Seit 1980 ist die Zahl der Vögel innerhalb der Europäischen Union um rund 600 Millionen Individuen zurückgegangen, berichtet beispielsweise das Wissenschaftsmagazin „Spektrum“ im November 2021. Die Ursachen liegen in der industrialisierten Landwirtschaft sowie am Mangel an Nistplätzen und Nahrung im städtischen Lebensraum. Ein großes Problem ist auch die Jagd, bei der immer noch viele Millionen Zugvögel getötet werden.

Für den bekannten Ornithologen und Buchautor Peter Berthold gelten außerdem der Verkehr, die Lichtverschmutzung und fehlende Rückzugsräume zu den dezimierenden Faktoren. „Unseren Vögeln geht’s beschissen“, sagte er 2019 bei einem Vortrag. Von den Vogelarten, die es vor 200 Jahren noch gegeben habe, seien heute nur noch 20 Prozent übrig.

Was Expertinnen zutiefst beunruhigt, weiß sonst kaum jemand. Vor allem in der jüngeren Bevölkerung gibt es zum Thema Vögel ein sehr ausgeprägtes Unwissen, wie eine Forsa-Studie im Auftrag des Landesbundes für Naturschutz Bayern (LBV) aus dem Jahr 2021 zeigt.

Eisvogel

Durchschnittlich erkannten Teilnehmer der Onlinebefragung sechs von 15 Arten, also 40 Prozent, und konnten diese auch richtig benennen. Insgesamt erkannten nur fünf von 1.003 Befragten alle 15 Vogelarten, 45 erkannten keinen einzigen Vogel.

Was nur wenige kennen, wird kaum einer vermissen. In Diskussionen um Umwelt- und Naturschutz geht es häufig um Klimathemen, mitunter auch um das Bienensterben und den Bestand der Insekten allgemein. Vögel spielen weniger eine Rolle, dabei hat ihr Aussterben bereits dramatische Ausmaße angenommen.

Gehen wir also zurück auf Anfang: das Wissen. Vieles ist im Netz umfangreich dokumentiert, spannend aufbereitet und kostenlos verfügbar. Interaktive Apps helfen bei der Bestimmung von Vögeln anhand ihrer Formen, Farben und Laute. Hier sind unsere Empfehlungen, ausgesucht nach Qualität sowie Werbe- und Kostenfreiheit:

Apps

NABU Vogelwelt

Die App des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) stellt in der kostenlosen Basisversion 308 Vogelportraits mit je mindestens einer Bestimmungstafel zur Verfügung. Mit der Suchfunktion gelangt man zum gesuchten Vogel. In der Bestimmungsfunktion können aus insgesamt 12 Merkmalen weitere 10 Merkmale ausgewählt werden. Eine Ergebnisliste zeigt die wahrscheinlichsten Möglichkeiten. Weitere kostenpflichtige Features sind beispielsweise die Stimmerkennung oder das Eier-Modul. Eine Besonderheit ist die ebenfalls kostenpflichtige 3D- und AR-Funktion, mit der sich ein Vogel von allen Seiten betrachten lässt.
www.nabu.de/vogelwelt

Die Vogel App!

Diese kostenlose Android-App ist ein Projekt der Hobby-Ornithologin Dörte Krüger. Sie listet 235 häufige Vogelarten Europas mit knapp 200 Fotos und rund 150 Vogelstimmen auf. Sehr übersichtlich, für Einsteiger sehr geeignet.
doertekrueger.de/dievogelapp

BirdNET

BirdNet ist ein internationales wissenschaftliches Projekt, an dem Ornithologen, Bioakustiker und Informatiker aus Deutschland und den USA beteiligt sind. Die App ist aus einem Forschungsprojekt der Technischen Universität Leipzig und des Cornell Lab of Ornithology entstanden, die Nutzerinnen hilft, Vogelstimmen zu erkennen. Die Rufe und Gesänge werden aufgezeichnet und mit denen der 3000 häufigsten Vogelarten verglichen.
Die dabei entstehenden Daten (Ort, Zeit, erkannter Vogel) werden für weitere Forschungen verwendet. Entstanden ist daraus beispielsweise die eingangs beschriebene Studie über die weltweite Vogelpopulation.
www.tu-chemnitz.de

Webseiten

Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Erste Adresse für Vogelfans: Hier gibt es zu jedem der über 300 Arten ausführliche Portraits und die Stimmen dazu. Viele aktuelle Informationen, Vogelschutz-Tipps, „Rote Liste“ der gefährderten Arten, Veranstaltungshinweise und alles rund um die bekannten Zähl-Aktionen „Stunde der Wintervögel“ und „Stunde der Gartenvögel“.
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/index.html

Landesbund für Naturschutz Bayern

Hier gibt es Portraits der 30 häufigsten Gartenvögel mit kurzen Videos sowie Zeichen- und Malvorlagen.
www.lbv.de/die-haeufigsten-gartenvoegel

Planet Wissen

bündelt die Wissens-Sendungen und Dokumentationen von SWR, WDR und alpha. Die Auswahl der Beiträge über Vögel ist groß:
www.planet-wissen.de/natur/voegel

Wildvogelhilfe

Die Seite bietet neben rund 500 kurzen Vogelportraits auch eine Liste der Auffangstationen in Deutschland für verletzte Vögel sortiert nach Postleitzahlen.
wildvogelhilfe.org

Für Kinder geeignete Webseiten

www.kindernetz.de/tierlexikon/was-sind-voegel

kinder.wdr.de/tv/wissen-macht-ah

Vögel im Winter bei Planet Schule

Naturdetektive des Bundesamtes für Naturschutz

https://www.geo.de/geolino/natur-und-umwelt/14632-thma-voegel

www.najuversum.de/wald/voegel

Vögel beim Klexikon

Bücher

Der Kosmos-Naturführer „Welcher Vogel ist das?“

zur Bestimmung von über 440 Vögeln aus ganz Europa. Pro Art werden mehrere Bilder und Zeichnungen gezeigt, Detailwissen wird direkt am Bild vermittelt. Zusätzlich gibt es einen Überblick über verschiedene Vogeleier in Originalgröße.
www.kosmos.de

Der neue Kosmos Vogelführer

Standardwerk der Vogelkunde des schwedischen Ornithologen Lars Svensson. Der Führer beschreibt mit über 900 Arten umfassend die Vogelwelt Europas und des Mittelmeerraumes, einschließlich Durchzüglern, Ausnahmeerscheinungen und eingebürgerter Arten. In mehr als 4.000 Farbzeichnungen werden die wichtigsten Merkmale für die Bestimmung der Tiere dargestellt. Karten zeigen Verbreitungsgebiete und Zugrouten.
www.kosmos.de

Die Flugbegleiter

Dieses Buch bietet Beiträge zu aktuellen Projekten und Themen der Vogelkunde –  wissenschaftlich fundiert präsentiert vom Redaktionsteam „Die Flugbegleiter“. Die 11 JournalistInnen des erfolgreichen Digitalmagazins auf riffreporter.de verstehen sich als Korrespondenten aus der Vogelwelt. Ihr Online-Magazin wurde von der UN-Dekade für Biologische Vielfalt ausgezeichnet.
www.kosmos.de

Online-Magazine

www.spektrum.de

riffreporter: Die Flugbegleiter

Einzelartikel

Wissenswertes zu bestimmten Themen

Schlafen Vögel im Flug?

Auch bei Vögeln gibt es Dialekte

Vogelbeobachtung

Unsere Tipps zur Beobachtung von Zugvögeln in Brandenburg gibt es in unserem Wegweiser
Showtime für die Kraniche

Vogelstimmen entdecken

Die meisten Vögel singen nur zur Brutzeit, also ab dem Spätwinter bis Ende Juli. Fast alle Vogelarten beginnen bereits vor Sonnenaufgang zu singen, die ersten bereits, wenn es noch fast vollständig dunkel ist. Der Sonnenaufgang ist dabei der Referenzzeitpunkt. Mit fortschreitendem Frühjahr verlagert sich daher der morgendliche Gesangsbeginn in immer frühere Morgenstunden.

Vor allem von Ende April bis Anfang Juni kann man besonders viele Arten gleichzeitig hören. Fast alle Vogelarten singen früh am Morgen am intensivsten. Dabei hat jede Vogelart einen anderen Zeitpunkt für den morgendlichen Gesangsbeginn, der durch die zunehmende Tageshelligkeit vorgegeben wird. Jeden Morgen setzen die einzelnen Arten daher in der gleichen Reihenfolge in das morgendliche Vogelkonzert ein. Wer früh aufsteht, kann dies beim Erkennen und Lernen der Vogelstimmen ausnutzen.

Auf der Webseite des NABU findet sich eine praktische Vogeluhr zur Orientierung. In den einzelnen Vogelportraits gibt es auch Vogelstimmen zum Nachhören.


Piep einmal!

ist ein Kooperationsprojekt der Hobby-Fotografin Stefanie Ulrich und berlin-familie.de. Gemeinsam möchten wir dazu ermuntern, ebenfalls in die faszinierende Welt der Vögel einzutauchen.
Zur Übersicht
Wissenswertes - Apps, Webseiten, Bücher - haben wir HIER zusammengetragen.
Mehr über Stefanie erzählen wir HIER.

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Vom urbanen trubeligen Kiez bis zum kaum erschlossenen Landstrich, in dessen Wäldern sich wieder Wölfe ansiedeln. Im Rahmen unserer Möglichkeiten möchten wir Kindern und Familien die Vielfalt und Gegensätzlichkeit der Region Berlin-Brandenburg näherbringen.

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Um das auch für Familien reiche kulturelle Angebot der Stadt nutzen zu können, muss man nicht viel Geld ausgeben. Wir empfehlen die Angebote des Jugendkulturservice, vor allem den Super-Ferien-Pass und den FamilienPass.
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Unsere Hinweise auf regelmäßige größere Events, die Kinder und Familien nicht verpassen sollten. Hier gibt es auch Wegweiser zu gut gefüllten Kalendern mit interessanten Veranstaltungen.

Brandenburg

Auf unserer Serviceseite bieten wir allgemeine Tipps und Orientierungshilfen für die Erkundung des Berliner Umlandes und der ländlichen Regionen Brandenburgs. In dieser Rubrik teilen außerdem zwei unserer Autoren ihre Leidenschaft für die Natur:

Norman Heise wandert regelmäßig um einen See herum:

Stefanie Ulrich fotografiert die Vogelwelt der Region:

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